23. Oktober 2017

AKTUELLES

Neue, originelle Verwendungsmöglichkeiten für die alten Hütten

Telefonzellen werden zu Gratis-Büchereien


Farbenfroh neu belebt: Kulturausschuss-Obfrau Beverley Allen-Stingeder und Bibliothekarin Lydia Steininger freuen sich, dass die Bücherzelle bei den Puchenauern so gut ankommt. Gestaltet wurde „BUCHenau“ (Rückansicht unten) vom jungen Puchenauer Graffiti-Künstler Jonas Raadler. Die hölzernen Buchregale fertigte Erich Arnezeder vom Wirtschaftshof der Gemeinde an.

Telefonzellen sind heute alte Hüte, die fast keiner mehr braucht. Doch findige Geister haben für die alten Hütten neue Verwendungsmöglichkeiten gefunden. Sie werden zum Beispiel zu Büchereien umgestaltet, die jedermann frei benützen kann. Auch in Puchenau wurde eine Telefonzelle zu einer Bücherzelle: „BUCHenau“.


In Linz (Bahnhofplatz 6 und Fadingerstraße 6), Neuzeug (Ahornstraße 1), Steyr (Schlüsselhofgasse 63), Windischgarsten (Gleinkerstraße 13). In der Linzer Fadingerstraße und in Windischgarsten kann man bei diesen neuartigen „Telefonzellen“ mit Fahrrädern und Motorrädern auch Strom tanken.

Im vorigen Jahrhundert stieß man an allen Ecken und Enden auf sie, an belebten Plätzen gab es gleich drei oder vier davon, häufig bildeten sich vor ihnen Warteschlangen. Heute sind Telefonzellen ein Relikt der Vergangenheit, die Mobilfunktelefonie hat sie fast überflüssig gemacht.
Nur wenn das Handy wegen eines defekten oder leeren Akkus streikt, ist man froh, wenn eine Telefonzelle am Weg liegt. „Auch Jugendliche, Menschen mit geringem Einkommen und Touristen benützen noch Telefonzellen,“ weiß Jochen Schützenauer aus der Telekom-Presseabteilung.
In Oberösterreich stehen aktuell noch 1.200 Telefonzellen. Bundesweit  gibt es 12.100 öffentliche Sprechstellen, darunter sind 10.300 Telefonzellen, der Rest befindet sich in Gebäuden. Schützenauer: „In fast jeder Gemeinde findet man noch eine Telefonzelle.“
Für ausgediente Fernsprechhütten fanden findige Geister neue Verwendungsmöglichkeiten.  So werden zum Beispiel aus Telefonzellen Bücherzellen. „Wir wollten auf diese Weise den Marktplatz beleben. Die Bücherzelle wurde im August aufgestellt und rasch zum Selbstläufer. Sie wird von den Benützern wie ein Schatz gehütet,“ freut sich Mag. Beverley Allen-Sting­eder, Obfrau des Kulturausschusses von Puchenau.
Die Bücherzelle enthält die gesamte Bandbreite vom Kinderbuch bis zum Krimi oder Gedichtband. Leseratten können Bücher jederzeit kostenlos entnehmen und neue Exemplare hineinstellen. Allen-Stingeder: „Das funktioniert blendend. Andere Gemeinden zeigen bereits Interesse.“
Tatsächlich sind unter anderem bereits in Freistadt, Bad Ischl, Mining und im Schwimmbad von Altheim Telefonzellen zu öffentlichen Bücherzellen mutiert.
Auch originell: In Wien haben einige Gastronomen in ihren Lokalen Original-Telefonzellen aufgestellt, in denen die Gäste mit ihren Handys ungestört telefonieren können.