01. Mai 2017

AKTUELLES

OÖ: Seit 2010 Jahr für Jahr mehr Staatsbürgerschaftsanträge

Einbürgerungen um 53 Prozent angestiegen

Wer sich integrieren will, muss die Sprache seines Gastlandes lernen. Das ist unbestritten. In Österreich wurden 2006 für Staatsbürgerschaftswerber ausreichende Deutschkenntnisse gesetzliche Pflicht. Seitdem suchen deutllch weniger Türken um unseren Pass an. Trotzdem steigt in Oberösterreich und bundesweit seit sechs Jahren die Zahl der Einbürgerungen.

Die Einbürgerungsstatistik  ist (auch) ein Spiegel der Weltpolitik. Deshalb überrascht es nicht, dass in Österreich seit den 1950er-Jahren die Zahl der Einbürgerungen im Jahr 2003 mit 45.112 Personen einen Höhepunkt erreichte. Das gilt auch für Oberösterreich, wo damals 7.314 Staatsbürgerschaften vergeben worden sind. Der Grund lag darin, dass zehn Jahre zuvor zehntausende Jugoslawen vor dem Balkankrieg in unser Land geflohen waren. Viele von ihnen hatten nach mindestens zehn Jahren Aufenthalt in Österreich 2003 erstmals die Möglichkeit, um Verleihung der Staatsbürgerschaft anzusuchen. Viele haben es getan, und den Pass der Republik Österreich erhalten.
Danach ist in Oberösterreich die Zahl der Einbürgerungsanträge von 7.314 im Jahr 2003 jährlich bis 2010 auf 995 Anträge gesunken. Das größte Minus verzeichnete man von 2006 mit 4.128 Anträgen auf 2.025 im Jahr 2007. Die Begründung kennt Mag. Josef Gruber, Leiter der Aufgabengruppe Staatsbürgerschaft und Wahlen beim Amt der Landesregierung: „Damals wurden durch eine Gesetzesnovelle entsprechende Kenntnisse der deutschen Sprache als Voraussetzung für die Einbürgerung vorgeschrieben.“ Und seit damals suchen immer weniger Türken um unseren Pass an. Waren es 2007 in Oberösterreich noch 302 Türken, die Österreicher werden wollten, so gab es 2016 nur noch 117 türkische Anträge.
Trotzdem kam es 2010 zu einer Trendumkehr bei den Staatsbürgerschaftsansuchen. Ihre Zahl stieg Jahr für Jahr von 995 Anträgen bis auf 1.519 (+ 53 %) im Vorjahr. Dafür ist unter anderem verantwortlich, dass seit 2013 im Ausland geborene außereheliche Kinder von Osterreichern leichter eingebürgert werden können. Die Hauptursache liegt allerdings in der enorm gestiegenen Zahl von Flüchtlingen. Schließlich können Asylberechtigte nach sechsjährigem Aufenthalt in unserem Land Österreicher werden. Vorausgesetzt, sie können Deutsch, haben einen gesicherten Lebensunterhalt und es liegt keine gerichtliche Verurteilung vor. Das gilt übrigens für jeden Antragsteller.
Sind alle Voraussetzungen erfüllt, wartet noch ein Einbürgerungstest mit 18 Fragen zur Demokratie, zur Geschichte Österreichs und der Geschichte des jeweiligen Bundeslandes. Zu jeder Frage gibt es drei Antwortmöglichkeiten. Mehr als 90 % der Neo-Österreicher bestehen den Test im ersten Anlauf.
Billig ist Österreichs Staatsbürgerschaft nicht. Eine vierköpfige Familie muss mit Kosten von etwa 5.000 Euro rechnen.

Woher die neuen Landsleute kommen

Von den 1.519 Menschen, die im Vorjahr in Oberösterreich eingebürgert worden sind, kommen die meisten aus folgenden Ländern:
Europäischen Drittstaaten (Nicht-EU inklusive Türkei) insgesamt 797 Personen,
davon aus:
Bosnien-Herzegowina: 313
Türkei: 117
Kosovo: 115
Serbien: 82
Weißrussland: 66
Mazedonien: 49
Ukraine: 28
Russische Föderation: 20
Albanien: 7

Asien insgesamt 378 Personen,
davon aus:
Afghanistan 116
Syrien: 69
Irak: 37
China: 27
Iran: 25
Afrika insgesamt 137, davon:
Nigeria: 24

Amerika insgesamt 46,
davon aus:
Dominikanische Republik: 24

Aus anderen EU-Staaten insgesamt 153 Personen,
davon aus:
Rumänien: 47
Kroatien: 25
Deutschland: 21