27. Mai 2017

AKTUELLES

KOMMENTAR von Manfred Radmayr

Böses Blut


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Doppelt hält besser! Nach diesem österreichischen Sprichwort handeln viele Türken bei der Staatsbürgerschaft. Sie nehmen zwar unseren Pass und die damit verbundenen Annehmlichkeiten, geben aber ihren ursprünglichen nicht ab. Obwohl derartige Doppelstaatsbürgerschaften illegal sind, muss der österreichische Staat diesbezüglich weitgehend tatenlos zusehen, weil die Türkei schon vor Jahren jeden Informationsaustausch zu ihrem Personenregister eingestellt hat. Gleichzeitig vergab Österreich mit teils lockerer Hand Staatsbürgerschaften nach Ermessen.
Vor allem Sportler, Künstler und Geldsäcke haben davon profitiert. Viele von ihnen wurden um des kurzfristigen Erfolges willen oder wegen eines vermeintlichen Imagegewinnes eingebürgert. Herr und Frau Österreicher haben darüber oft den Kopf geschüttelt. Zum Beispiel, als die Opernsängerin Anna Netrebko zu ihrer Landsfrau wurde, und erst recht, als die Russin dann als Wahlkämpferin und Fan von Wladimir Putin auftrat.
Oder erinnert sich noch jemand an Mark McKoy? Der kanadische Hürdensprinter wurde nicht zuletzt dank der Bemühungen seines oberösterreichischen Managers 1994 eingebürgert. McKoy war als Kanadier Olympiasieger geworden, dann wegen Dopings zwei Jahre lang gesperrt, ehe er als Österreicher (erfolgslos) wieder Rennen bestritt.
In solchen Fällen ging unsere Republik mit ihrer Staatsbürgerschaft recht schludrig um, und sie hat sich von tausenden Türken ums Ohr hauen lassen (müssen). Mit ein Grund, dass immer mehr Österreicher meinen, in unserem Land sei das soziale Netz für Ausländer zu eng geknüpft. So entsteht böses Blut.