17. Dezember 2017

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Verstehen Sie das noch?


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Was tun? Diese Frage brennt derzeit an allen Ecken und Enden unserer Gesellschaft. Die Verunsicherung ist spürbar und wächst. „Was tun?“ betitelte auch Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, 1902 sein Buch über strategische Fragen seiner Partei, ehe er 1917 als eine Lokomotive der russischen Oktoberrevolution für einen der größten politischen Umbrüche im 20. Jahrhundert sorgte. Diese Umwälzungen sind kolossal gescheitert. Die Angst vorm Scheitern, vor dem Verlust des hart erarbeiteten Wohlstandes, vor Digitalisierung und Zuwanderung, vor religiösem Fanatismus und Terror, vor Unterversorgung im Gesundheits- und Pflegebereich geht auch jetzt um.
Was tun? Wie finden wir demokratische Antworten auf all die Herausforderungen? Kann man mit mehr direkter Demokratie dem Glaubwürdigkeitsverlust der repräsentativen Demokratie entgegengesteuern oder hebeln wir dadurch das Prinzip der Gewaltenteilung aus, das ein Mitregieren des Volkes nicht vorsieht?
Was tun? Wie und wann werden endlich die notwendigen Maßnahmen gegen Steueroasen und gegen die Steuertricks von Finanzhaien und Großkonzernen realisiert, um dringend benötigtes Geld für das Gesundheitssystem, Kinder- und Altenbetreuung, Bildung, Klimaschutzprojekte… aufzustellen.
Was tun? Wir sind gefordert, damit unsere Gesellschaft mit einer Arbeitswelt, in der immer mehr Computer und Roboter den Ton angeben, nicht auseinanderbricht. Wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen eine Lösung? Lassen wir uns weiter von digitalen Supermächten wie Google, Facebook oder Amazon gängeln oder wehren wir uns gegen ihre beispiellose Machtkonzentration durch „Big-Data“?
Was tun? Können Eltern, die selbst voller Zweifel sind, Vorbild für die Jugend sein und Zuversicht vermitteln, wie es die aktuelle Familienkampagne des Landes Oberösterreich progagiert?
Was tun? Das Leben in einer offenen Gesellschaft mit den Problemen, welche die Migration aufwirft, in Einklang zu bringen, erfordert jedenfalls mehr als nur Sprachkurse. Die geregelte Zuwanderung muss als unvermeidlicher Bestandteil der Wirklichkeit erkannt und akzeptiert werden, oder man stoppt die Liberalisierung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Das geht allerdings nur auf Kosten von Wohlstand und Freiheit.
Was tun? Die EU müsste schnell aus ihrer existentiellen Krise herausfinden, oder sie zerbricht. Was dann?
Verstehen Sie das alles noch? Ich weiß nur, dass Leute wie Trump, Putin, Erdogan, Le Pen… keine Lösung sind - und kleinkarierte Werbebotschaften in den so genannten sozialen Medien auch nicht.