17. Dezember 2017

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Schmutziges Geschäft


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Es ist nicht zum aushalten. Oberflächliches Gerede und leichtfertige Versprechungen dominieren wieder den Wahlkampf. Die Wähler werden für dumm verkauft. Wo bleibt die Aufrichtigkeit? Sie ist doch Teil der moralischen Grundausstattung des Menschen. Unser Wissen mit anderen teilen, an ihrem teilhaben, das ist einer unserer evolutionären Vorteile gegenüber anderen Lebewesen. Sich einem, einer anderen rückhaltlos offenbaren zu können, ist unter Umständen überlebenswichtig. Jemand, der zuhört, zu bedenken gibt, widerspricht, ermutigt, rät, vollkommen selbstlos, zeigt den ganzen Adel des Menschen.
„Mut zur eigenen Schwäche fassen im Vertrauen darauf, so angenommen und eben nicht ausgenutzt, überrumpelt zu werden – wer wären und wo stünden wir ohne diese Möglichkeit? Im geistigen Tierreich.“ So bringt der deutsche Soziologe Wolfgang Engler in seinem Buch „Lüge als Prinzip“ die Aufrichtigkeit auf den Punkt.
In Wahlkampfzeiten nähern wir uns dem geistigen Tierreich gefährlich an. Das Vertrauen, das der „normale“ Mensch in die Redlichkeit der maßgeblichen Akteure setzt, schmilzt gegen null. Natürlich ist manchmal eine Lüge oder ein Schweigen der Aufrichtigkeit vorzuziehen. Jeder von uns sucht und findet gelegentlich eine Ausrede, bringt die eine oder andere (Not-)Lüge über die Lippen. Das Schweigen aus Höflichkeit, Respekt oder Mitleid bricht der Aufrichtigkeit keinen Zacken aus der Krone.
In Wahlkämpfen ist für Schweigen kein Platz. Da wird gelärmt und gepoltert, und die Medien und erst recht die „sozialen“ Netzwerke verstärken das Getöse zu einem Orkan, der einer aufgeklärten Demokratie nicht würdig ist.
Auch dafür findet Wolfgang Engler klare Worte: „Was zählt, ist der Erfolg. Politiker erwecken gern den Anschein grundredlicher Motive, manchmal schwören sie sogar auf ihr Gewissen - und werden ein ums andere Mal der Lüge überführt. Karrierezwänge dulden höchstens Halbwahrheiten, Parteiräson sticht Staatsräson.“
Nun könnte man sagen, Übertreibungen gehören zum Geschäft, so wie die Werbung für Waren und Dienstleistungen Kinder verführt und Erwachsene infantilisiert. Wer darauf reinfällt, bezahlt mit seinem eigenen Geld. Und wer politischen Maulhelden auf den Leim geht, ebenso, vielleicht sogar mit viel mehr, wie dem Verlust von Freiheiten und Rechten. Wir haben unsere Politik über weite Strecken zu einem schmutzigen Geschäft verkommen lassen.