17. Dezember 2017

AKTUELLES

„Ich will nicht mehr weg vom Meer“

Wellenreiten – eine der schwierigsten Sportarten überhaupt! 2020 in Tokio ist der Ritt auf den mehrere Meter hohen Wellen erstmals olympische Disziplin. Schwer vorstellbar, dass Österreich da eine Medaille an Land zieht. Ein Oberösterreicher hat in der Surfszene allerdings viel vor. Mag. Hamadi Ben Ahmed aus St. Marien ist diesem Sport verfallen. Er fühlt sich beim Surfen auf der Welle ins Glück. „Ich will nicht mehr weg vom Meer,“ sagt der 35-Jährige. Derzeit hofft er auf einen Job in Hawaii.


Wer in Oberösterreich aufwächst, kann Raumfahrer werden, Nobelpreisträger, ein Weltstar in Wissenschaft, Sport oder Kultur, aber er wird nie zur Elite der Surfer gehören. Hamadi Ben Ahmed hat seine Jugend in Ansfelden verbracht, und er ordnet seit einigen Jahren sein ganzes Leben dem Wellenreiten unter. „Aber wer nicht schon im Kindesalter gesurft hat, wird nie an die Weltspitze kommen, daher bin und bleibe ich bestenfalls Mittelmaß,“ sagt der Sohn eines Tunesiers und einer Oberösterreicherin.
Mindestens sechs Monate im Jahr verbringt der 35-Jährige an den Küsten dieser Erde. Darunter sind  viele Secret Spots, denn die besten Surfgebiete sind geheim. Ein Traum für Insider. Hamadi gehört zum inneren Kreis der Szene. In Frankreich, Spanien, Portugal, Marokko, Indonesien und Ecuador ist er schon auf Wellen geritten, „Australien, wo schon zehn Prozent der Bevölkerung einmal auf einem Surfbrett gestanden sind, Mittel- und Nordamerika fehlen mir noch.“
Derzeit befindet sich der Weltenbummler aus St. Marien in der Nähe von Biarritz an der französischen Atlantikküste. Dorthin ist er vor drei Wochen mit einem befreundeten Schweizer, einem surfinfizierten Anästhesisten, aufgebrochen. Das Duo ist mit einem alten Volvo-Kombi, Wohnwagen und großem Zelt unterwegs. Wird es in Frankreich zu kalt, geht es weiter in ein weltbekanntes Surfparadies im portugiesischen Peniche. Den Zugvögeln gleich, heißt es für die beiden Surfer: immer dem Süden nach.  Endstation in diesem Winter ist ein Secret Spot in Marokko. Hier gibt es außer einer hervorragenden Brandung nichts. Der nächste Ort ist 20 km entfernt. Hamadi will dort bis April surfen.
Insgeheim hofft er aber auf eine Unterbrechung. Der Oberösterreicher bewarb sich nämlich bei der World Surf League, die unter anderem die Championstour der Profi-Surfer organisiert, für den Job als „Ambassador for Stoke and Leisure“.  Das ist eine Art „Botschafter der Freizeit“. Dafür müsste Hamadi, der auf einer Fachschule in Innsbruck Management und Recht studiert und dann sieben Jahre in Deutschland in der Musikbranche gearbeitet hat, im November für sechs Wochen nach Hawai übersiedeln.
Wird daraus nichts, wird er täglich stundenlang im Wasser sein, den Wellen entgegenpaddeln, zum richtigen Zeitpunkt aufs Brett steigen und Richtung Strand reiten. Die höchsten bewältigbaren Wellen sind 15 m hoch, Hamadi schafft fünf Meter. Das ist nicht ungefährlich. Stürzt man, ist Ruhe angesagt. „Panik bringt dir den Tod,“ weiß Hamadi, der das Atemtraining forciert. Dazu gehört Luft anhalten unter Belastung. 25 Liegestütze ohne zu atmen, sind für ihn normal.
2018 will Hamadi mit den Dreharbeiten für eine interaktive, lehrreiche Surf-CD beginnen, mit der er weltweit Hobbysportler für das Surfen begeistern will. Sie soll bis Olympia 2020 fertig sein. Und irgendwann will der hervorragende Koch sein eigenes Surfcamp errichten. „Ich will nicht mehr weg vom Meer.“

Hamadi Ben Ahmed verbrachte von den letzten 23 Monaten  16 am Meer. Beim Surfen lebt Hamadi im Zelt, bei den Transportmitteln ist er nicht wählerisch. Heuer im Sommer kochte Hamadi beim Seewirt in Linz-Pichliing.