17. Januar 2018

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Aus Wut wurde Mut


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Ja dürfen’s denn des? Das fragte Kaiser Ferdinand I. im März 1848 Staatskanzler Fürst Metternich angesichts von Massenaufläufen vor der Wiener Hofburg. „Was mach’n denn die viel’n Leut’ da? Die san so laut!“ wollte der Habsburger-Monarch wissen, der mit einem Wasserkopf zur Welt gekommen war, an Epilepsie und Rachitis litt. Wegen seiner „Harmlosigkeit“ trug der Kaiser den Beinamen „Ferdinand der Gütige“. Vom Volk wurde er gerne als „Gütinand der Fertige“ verspottet. Jetzt antwortete Metternich dem naiven Herrscher: „Die machen eine Revolution, Majestät.“
Bürgertum, Bauern, Proletariat und Studenten hatten die Nase voll von 30 Jahren Biedermeier, in denen der Adel tanzte und feierte und sie selbst durch Verbot freier Meinungsäußerung und Versammlungsverbot geknechtet und die Presse streng zensuriert war. Liberal und national gesinnte Professoren hatten Berufsverbot. Diese Ohnmacht schürte so viel Wut, dass der Mut zum Aufstand siegte.
Die Aufständischen begehrten eine repräsentative Beteiligung an der Staatsgewalt. Den Bauern gelang unter der Führung Hans Kudlichs eine Befreiung aus dem Untertänigkeitsverhältnis, worauf sie sich von der Revolution abgewendet haben. Der Aufstand geriet ins Stocken und wurde schließlich im November 1848 von den kaiserlichen Truppen blutig beendet. Metternich war Geschichte, Franz Joseph löste Ferdinand I. ab.
Wenn 2018 viel die Rede sein wird vom Ende der Monarchie und dem Beginn der Ersten Republik im Jahr 1918, sollte man nicht die Freiheitskämpfer von 1848 vergessen, die erstmals die Demokratisierung Österreichs selbst in die Hand genommen haben.