26. September 2018

AKTUELLES

Ausgerechnet im großen Gedenkjahr gibt es keinerlei Unterstützung

Linz: Denkmal verkommt, niemand ist zuständig!

1848 - 1918 - 1938! 2018 ist das Jahr des Gedenkens. Landauf, landab wird unter anderem an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnert. Bemühungen, ein heruntergekommenes Denkmal in Linz-Kleinmünchen zu Ehren von Opfern dieses mörderischen Wahnsinns zu resttaurieren, drohen jedoch zu scheitern, weil sich niemand zuständig fühlt.


Ein niedergelegter Kranz vor dem Obelisk zu Ehren von Opfern des Ersten Weltkrieges. Die Schrift an der Vorderseite des Denkmals ist noch lesbar, die Namen der Gefallenen an den drei anderen Seiten sind durch die Verwitterung verschwunden.

Thomas Lackner aus Linz-Ebelsberg hat die Heimatforschung zu seinem Hobby gemacht. Seit 18 Jahren arbeitet sich der 53-Jährige durch Archive und nützt alle möglichen Quellen, um Licht in die lokale Geschichte zu bringen und zu publizieren. Seit sechs Monaten arbeitet er an einem „Fall“, der unlösbar scheint.
Hinter der Pfarrkirche Kleinmünchen steht ein steinerner Obelisk, der an Kleinmünchner Opfer des Ersten Weltkrieges erinnert. Aufgestellt haben ihn 1922 „Die Bewohner und Kriegsbeschädigten Organisation“. Die Namen der Gefallenen, zu deren Ehre er errichtet worden ist, waren an drei Seiten der Säule in Steintafeln gemeißelt. Die Verwitterung hat alle Namen ausgelöscht.
Beim Obelisk werden noch immer regelmäßig Kränze niedergelegt, etwa von der SPÖ und der Textil AG, und zu Allerheiligen Gedenkfeiern abgehalten. Thomas Lackner fände es für gut und richtig, das Denkmal zu renovieren und die Opfernamen wieder anzubringen. Doch dafür erklärt sich niemand zuständig. „Man rennt im Kreis“, bringt es Lackner auf den Punkt. Seine Denkmal-Korrespondenz füllt bereits einen Aktenordner.
Die Pfarre, die zum Stift St. Florian gehört, ist zwar Grundeigentümerin, als Besitzerin des Denkmals fühlt sie sich aber nicht. Mit dem gleichen Argument zeigt die Stadt Linz die kalte Schulter. Die Kulturabteilung des Landes verweist an die Stadt als Standortgemeinde. Das Innenministerium ließ schriftlich wissen, dass es in dieser Angelegenheit keine Handlungsbefugnis habe, „da ein Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg nicht in die gesetzliche Zuständigkeit der Kriegsgräberfürsorge des Innenministeriums fällt.“ Ähnlich sieht es das Bundesheer, das sich der Traditionspflege erst mit der Gründung der Zweiten Republik verpflichtet sieht. Das Schwarze Kreuz zeigt für Thomas Lackners Anliegen Verständnis, doch es ist nur für Friedhöfe zuständig. Der Kleinmünchner Obelisk steht jedoch auf keinem Friedhof. Kameradschaftsbund und Kriegsopferverband reagierten auf Anfragen überhaupt nicht.
„Nach meinen Erhebungen ist der Kleinmünchner Obelisk de facto herrenlos,“ resümiert Heimatforscher Thomas Lackner, der aber noch nicht aufgeben will. Seine Nachforschungen werden allerdings auch dadurch erschwert, dass Kleinmünchen 1923 in Linz eingemeindet worden ist. Da könnten einige aufschlussreiche Dokumente verloren gegangen sein. Vielleicht springt Lackner bei seinen ehrenwerten Bemühungen  doch noch eine Behörde, ein Verein oder ein privater Sponsor bei.

Marchtrenk macht Namen der Gefallenen wieder lesbar


Marchtrenks Denkmäler werden renoviert. Die Marmorsäule erinnert an den Ersten, die konkave Wand an den Zweiten Weltkrieg.

So geht es auch. In Marchtrenk ersuchten einige Bürger den Obmann des Museumsvereins, Reinhard Gantner, die Denkmäler für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges renovieren zu lassen.
Bürgermeister Paul Mahr erklärte sich sofort bereit, auf Kosten der Stadtgemeinde die in die Jahre gekommenen Mahnmale reinigen zu lassen und die Namen der 200 gefallenen und 80 vermissten Soldaten des Zweiten Weltkrieges wieder lesbar zu machen.