11. Dezember 2018

AKTUELLES

Seit Jahren werden leichtfertig reihenweise Bäume umgeschnitten

Linz beraubt sich seines natürlichen Luftfilters


Zum Fällen frei gegebene Bäume markiert die Stadt Linz mit weißen Bändern. Das war auch im 12.000 m2 großen Dallingerpark an der Traun so. Hier konnten die Baumretter das Ärgste noch verhindern.

Der so genannte Dieselskandal, der eigentlich ein Autoherstellerskandal ist, hat die Linzer Luft wieder verstärkt ins Gerede gebracht. Bei der Diskussion um Lösungen wurde bisher ein wichtiger Aspekt völlig außer Acht gelassen: In der Landeshauptstadt werden seit Jahren reihenweise Bäume gefällt. Das schwächt massiv den natürlichen Luftfilter. Die Baumrettungsinitiative Linz kämpft dagegen mit viel Verstand und Herzblut.


Der innere Kreis der überparteilichen und unabhängigen Baumrettungsinitiative Linz (von links): Bernhard Reiter (Initiative Innenhofgrün), Susanne Schuster, Bettina Thewanger (beide Initiative „Allee Urfahrer Donaupromenade bleibt“), Ingo Reiss, Alois Kugler (beide Naturschutzbund OÖ), Monika Freundlinger-Lewaschowa (Initiative „Allee Urfahrer Donaupromenade bleibt“), Günter Eberhardt (Bewohnerinitiative Froschberg), Welf Ortbauer (Blattform Natur und Stadt), Elise Speta (Naturschutzbund OÖ), Stefan Pichler (Initiative FahrRad) und Wolfgang Bendlin.

„Gerade habe ich eine Nachricht von Anrainern erhalten, dass eine große  Rodung in Ebelsberg, Panholzerweg, vorgenommen wurde. Wieder viele Bäume vernichtet, niemand weiß warum. So geht es fast täglich“. Dr. Welf Ortbauer schlägt wieder einmal Alarm. Der pensionierte Jurist der Wasserrechtsabteilung des Landes ist Mitbegründer der Baumschutzinitiative Linz, die seit vier Jahren um jeden erhaltenswerten Baum in der Landeshauptstadt kämpft.
Es ist ein harter, schwieriger Kampf, denn Linz hat als eine der wenigen Landeshauptstädte kein eigenes Baumschutzgesetz, vielmehr handelt der Magistrat nach einem ungeschriebenen Gesetz: Wir wollen keine alten Bäume in unserer Stadt.
Die Todesurteile für die grünen Riesen werden meistens mit Krankheitsbefall und Sicherheitsrisiko begründet. „Diese Erklärungen sind sehr oft nicht nachvollziehbar. Das haben wir auch schon durch Gutachten belegt,“ kritisiert Welf Ortbauer. Ein gerichtlich beeidetes Attest kostet die Baumschützer 1.500.- Euro. Das ist viel Geld, das man sich nur in seltenen Fällen leisten kann.  Für einen großen Ahorn an der Peuerbachstraße hat man es ausgelegt. Der Baum lebt noch.
Auch die Rettung des Andreas Hofer Parks können die überparteilichen Aktivisten auf ihre Fahnen schreiben. Dort wären ohne ihren und der Anrainer Widerstand viele alte Bäume einer Tiefgarage zum Opfer gefallen. Beim naturbelassenen Dallinger-Ökopark am Franzosenhausweg hatte man ebenfalls Erfolg.  Hier wollte man den letzten Rest des Traun-Urwaldes schleifen.
Meistens kommen die Baumretter aber zu spät. Die Motorsägen rücken rasch an. Das war bei der Heinrich Gleißner-Allee in Urfahr so, an der Sombartstraße in Dornach, im Hummelhofwald, im Winklerwald, im AKH-Park, im Schillerpark, im Volksgarten, an der Unteren Donaulände, an der Römerstraße, Roseggerstraße…
Der Straßenbahnschleife bei der Ferihumerstraße in Urfahr mussten etwa 40 Bäume weichen, „obwohl wir ein Alternativprojekt ausgearbeitet hatten, das ohne Fällungen ausgekommen wäre,“ so Ortbauer. Abgelehnt!
Das leichtfertige und großzügige Fällen von Bäumen beraubt Linz seiner natürlichen Luftreinhaltung, filtern Nadel- und Laubhölzer doch Feinstaub und Stickoxide und verarbeiten Kohlendioxid, um Sauerstoff zu liefern.