21. Oktober 2018

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Die Politik versagt


m.radmayr@hallo-zeitung.at

HURRA, DIE FERIEN SIND DA! Und die Sorgen beginnen. Sobald der meist ein- oder  zweiwöchige Urlaub der Eltern vorbei ist, stellt sich in zehntausenden oberösterreichischen Haushalten die Frage: Wohin mit den Kindern? Nur wenige Familien können auf die unbezahlbare Hilfe von Großeltern zurückgreifen, für den großen Rest sind die neun Wochen Sommerferien eine familienfeindliche Herausforderung. Betreuungsangebote sind teuer, und so bleiben viele Kinder mit ihrem Handy allein zu Hause. Vor allem in Oberösterreich, bilden wir doch in Sachen Kinderbetreuungsangeboten das Schlusslicht unter den Bundesländern.
Es ist ein altes Leid, das hier beklagt wird. Die langen Schulferien im Sommer gehen auf Maria Theresia zurück. Die Kinder der ländlichen Bevölkerung mussten bei der Ernte mitarbeiten. Heute ist Kinderarbeit verboten, sie wird von Maschinen erledigt. Moderne Mütter leben allerdings nicht wie Kaiserin Maria Theresia, die für ihre 16 Kinder einen Hofstaat von Dienstboten hatte.
Die Politik, die sich ansonsten überall einmischt, schiebt das Problem vor sich her. Sie vergeudet ihre Energie an Nebenfronten, wie beispielsweise bei der Wortklauberei in der Landesverfassung. Bei der Kinderbetreuung im Sommer bleiben die Dinge seit mehr als 250 Jahren unverändert. Wenn man will, dass die Menschen wieder mehr Nachwuchs bekommen, muss man die Arbeitsbedingungen der Frauen und Eltern ernst nehmen. Man kann von ihnen nicht mehr Flexibilität und den Zwölf-Stunden-Tag fordern und auf der anderen Seite sagen, was ihr mit den Kindern im Sommer macht, ist eure Privatsache. In diesem Punkt versagen Politik und Staat.