11. Dezember 2018

AKTUELLES

Weil das nötige Pflegepersonal fehlt:

Hunderte Plätze in Heimen frei!

Der Pflegenotstand ist keine Horrorvision der Zukunft, sondern Allgegenwart: In Oberösterreichs Alten- und Pflegeheimen bleiben schon jetzt hunderte Plätze unbelegt, weil das Personal fehlt. Der Pflegebedarf ist da und steigt noch weiter an, doch ein Ende des Personalmangels ist nicht in Sicht. „jetzt brennt wirklich der Hut,“ sagt einer der größten Insider.


Foto: Sinnstifter

Martin König kennt das oberösterreichische Pflegeszenario wie kaum ein anderer, und er ist kein Schönredner. König wurde mit 26 Jahren in Bad Hall der jüngste Altenheimleiter Oberösterreichs. Der heute 53-Jährige HAK-Absolvent hat berufsbegleitend in Bad Schallerbach Gesundheitsmanagement studiert und ist seit vielen Jahren Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Alten- und Pflegeheime sowie der Sozialen Netzwerk GmbH.
„Die Politik hat die Situation jahrelang ignoriert. Jetzt brennt der Hut,“ sagt Martin König, der sich vor einigen Monaten noch von einem Bezirkshauptmann sagen lassen musste: „Sudere nicht immer!“
Königs „Gesudere“ schaut in Wahrheit so aus, dass von den 12.570 stationären Plätzen in Oberösterreichs 135 Alten- und Pflegeheimen einige hundert Plätze aus Personalmangel frei sind. „Ganze Wohneinheiten sind gesperrt, obwohl der Bedarf gegeben ist,“ weiß Martin König.
Insgesamt arbeiten in Oberösterreichs Alten- und Pflegeheimen 10.000 Menschen, davon sind etwa 7.400 in der Pflege tätig. Um einige hundert Personen zuwenig, um den Vollbetrieb aufrecht zu erhalten. Diese Schere wird noch weiter auseinandergehen, weil bis 2025 zusätzlich 463 Heimplätze errichtet werden sollen. Deutlich mehr Pflegepersonal zeichnet sich aber nicht ab.
Pro Jahr würde man etwa 230 zusätzliche Altenbetreuer benötigen, rechnet Martin König vor, „doch alleine 2017 sind um 200 Betreuer zuwenig mit der Ausbildung fertig geworden.“
An Ausbildungsmöglichkeiten mangelt es nicht. In Oberösterreich gibt es 35 entsprechende Schulstandorte, aber die Interessenten fehlen. Von jenen, die sich zu einer Pflegeausbildung entschließen, springen etwa 30 Prozent wieder ab.
Um die dramatische Situation zu entspannen, wurde nun der Pilotlehrgang „Junge Pflege“ ins Leben gerufen. Er erlaubt erstmals Schulabgängern ab dem 15./16. Lebensjahr den Weg in den Altenbetreuungsberuf, der bisher erst ab dem 17. Lebensjahr möglich war.  Man hat die Wahl zwischen einer drei- und vierjährigen Ausbildung in Theorie und Praxis. Der „Junge Pflege“-Lehrgang beginnt am 5. November in der Altenbetreuungsschule des Landes in Linz. Anmeldungen sind noch bis 30. September möglich.  Interessenten können sich direkt an die Direktorin der Altenbetreuungsschule, Mag. Wilhelmine Steinbacher, wenden: 0732/7720-34700. Weitere Infos unter www.altenbetreuungsschule.at.
Wie sehr das Pflegeproblem unter den Nägeln brennt, zeigt ein Blick auf die steigende Lebenserwartung. Sie lag 1961 in Oberösterreich bei den Frauen bei 73 und den Männern bei 66,9 Jahren, sie beträgt derzeit bei Frauen 84,3 und bei Männern 79,4 Jahre und sie wird für 2080 für Frauen mit 92,2 und für Männer mit 89 Jahren prognostiziert.