26. September 2018

AKTUELLES

FPÖ-Klubobmann Herwig Mahr betreibt Kraftwerk für 300 Häuser

„Strombaron“ lädt in Au-Paradies seine Batterien auf


Die Kamerunschafe fressen Herwig Mahr aus der Hand und sind sehr pflegeleicht, weil sie nicht geschoren werden müssen.

Kastanienbraune Kamerunschafe halten im Schatten einer 140 Jahre alten Esche wiederkäuend Siesta. Ein schwarzer Hahn stolziert durch ihre Reihen, und wenn den Gockel der Hafer sticht, macht er es sich auf dem Rücken eines der Schafe bequem. Die kratzt das überhaupt nicht. Hier scheint die Welt im Einklang.
Wir befinden uns in einem Naturparadies im Trauner Stadtteil St. Martin. 6,7 Hektar Auland, in dem der Biber baut, der Kormoran fischt, durch das der Rehbock streift und der Hase läuft. Einziger Störenfried ist die nahe Einflugschneise des Flughafens Hörsching. Doch die bringt Herwig Mahr nicht aus der Ruhe. „Ich kann hier so richtig abschalten,“ sagt der Obmann des FPÖ-Landtagsklubs.
Dem 59-jährigen Politiker und Geschäftsmann gehört das Au-Paradies. Hier schwingt er die Sense („aber keine Motorsense“), hier macht er Holz, hier versorgt er Schafe und Hühner, hier betreut er zwei Bienenstöcke und hier beobachtet er regelmäßig ein Hornissennest in einem abgestorbenen Baum. „Eine Hornisse sitzt immer vor dem Flugloch und hält Wache. Wenn man ruhig vorbeigeht, sind diese faszinierenden Tiere völlig friedlich.“ Hier hat der Naturliebhaber und Tierfreund Mahr in einem Nebengewässer des Mühlbaches auch einen natürlichen Fischaufstieg errichtet und am Ufer 1.600 Eichen aufgeforstet.  „In 80 Jahren bleiben davon die 35 stärksten und größten über,“ erzählt Mahr, während ein Sprinkler die Jungbäume bewässert.
Kein Zukunftsprojekt sondern nachhaltige Gegenwart ist ein Kraftwerk, das Herwig Mahr hier am Mühlbach 2006 errichten ließ. Pro Sekunde fallen 5.500 Liter Wasser vier Meter in die Tiefe und produzieren Strom für 300 Einfamilienhäuser, der ins öffentliche Netz fließt.

Bester Laune empfängt „Strombaron“ Mahr, seit 2009 im Landtag, seit 2015 Klubobmann und Trauner Vizebürgermeister, in seinem Refugium „Hallo“ zum Interview.

„Hallo“: Ein schöner Ort, um seine Batterien aufzuladen.

Mahr: Ja, diese Stunden sind wunderbar. Bei der Arbeit hier entspanne ich mich richtig. Der perfekte Ausgleich zum politischen Alltag. Der dauert ja normalerweise sechs Mal in der Woche von 7.30 bis etwa 22.30 Uhr. Zusätzlich zur politischen Herbstarbeit, die mit den Budgetvorbereitungen sowieso sehr fordernd ist, beginnen nun auch schon die Vorbereitungen für den Landesparteitag 2019.

„Hallo“: Wie sieht der Budgetfahrplan aus?

Mahr: Wir werden heuer erstmals seit langem mit null Komma null bilanzieren. Auch 2019 wollen wir ein ausgeglichenes Budget, und wenn es geht ein paar Millionen Schulden abbauen.

„Hallo“: Worin liegen die größten politischen Herausforderungen?

Mahr: Im Sozialbereich gibt es Gewaltiges zu tun. Das gilt etwa für die Pflege und die Schaffung von Wohnraum für Beeinträchtigte. Die Integration muss so entwickelt werden, dass sie funktioniert. Ansfelden und Traun sind Beispiele, wie es nicht funktioniert. Beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs und im Gesundheitswesen, etwa bei der Ärzteausbildung, ist großer Handlungsbedarf. Uns wird sicher nicht fad.

„Hallo“: Wie beurteilen Sie die Arbeit mit dem Koalitionspartner ÖVP, und was waren für Sie bisher die größten Erfolge dieser Regierung?

Mahr: Mit der ÖVP gibt es eine sehr sachliche Zusammenarbeit. Bedeutend ist das von der FPÖ geforderte und von allen vier Parteien unterschriebene neue Integrationsleitbild mit der Verpflichtung zum Deutsch lernen, Werteschulung und einem Arbeitsverhältnis zur Selbsterhaltung als Holschuld. Sehr wichtig war auch die Neuregelung der Mindestsicherung, die ja für den sozialen Ausnahmefall gedacht ist und keine soziale Hängematte sein soll. Der Bund sollte die Mindestsicherung nach dem Oberösterreich-Modell einheitlich regeln.

„Hallo“: Wird nach der Wahl 2021 Herwig Mahr Mitglied der Landesregierung sein?

Mahr: Das wird es nie geben. Klubobmann ist mein Traumjob. Das ist das, was ich will und was ich kann..