21. Oktober 2018

AKTUELLES

40-jähriger Gallspacher bleibt verschollen

Seit zwei Jahren in den Silvretta-Bergen vermisst


Thomas Leitner wurde nahe der Saarbrücker Hütte das letzte Mal gesehen. Eingekehrt ist Thomas in der höchstgelegene Schutzhütte der Silvretta nicht.

Liegt er in einer Gletscherspalte im Ewigen Eis? Ist er in eine Felsschlucht gestürzt oder auf einem Geröllfeld gestolpert und in einer steilen Gesteinsrinne verschwunden? Hat er nach dem Absturz noch gelebt?  Wie lange hat er möglicherweise verzweifelt auf Hilfe gewartet?
Seit zwei Jahren quälen diese Fragen die Angehörigen von Thomas Leitner aus Gallspach. Der 40-jährige Bergsportler ist am 11. September 2016 im Silvretta-Gebirge in Vorarlberg verschollen. Tagelang wurde damals am Boden und aus der Luft nach dem Vermissten gesucht. Vergeblich!
„Die Berge haben ihn schon immer fasziniert. Vor allem die Ruhe hat ihm gefallen. Daher war er auch meistens alleine unterwegs,“ erzählt die vierfache Mutter Pauline Leitner über ihren Sohn. Am 10. September 2016 nahm Thomas Leitner in Vorarlberg am Gargellen-Viertelmarathon-Berglauf teil. Mit Startnummer 3 kam er als hervorragender 16. ins Ziel auf 2.130 m Seehöhe.
Einen Tag später suchte der Gallspacher Läufer noch einmal die Ruhe am Berg, ehe er die Heimreise antreten wollte. Thomas verließ in aller Herrgottsfrüh sein Hotel, fuhr mit seinem Golf zum Vermuntsee am Talende des Montafon. Die Regenjacke ließ er im Auto zurück, denn herrliches Wetter war angesagt.
Um 7 Uhr früh wird Leitner das letzte Mal gesehen. Er überholt in Sportkleidung und mit Rucksack kurz vor der Saarbrücker Hütte in 2.500 m Höhe eine Bergsteigerin. Thomas grüßt sie und zieht weiter in die vergletscherte Bergwelt der Seehorn-Gruppe an der Grenze zur Schweiz. Was danach geschah, ist bis heute rätselhaft.
Weil Thomas an diesem Abend nicht wie angekündigt heimgekommen ist und auch am Handy nicht erreichbar war, schlugen seine Eltern Alarm. Polizei, österreichische und Schweizer Bergretter suchten tagelang nach dem Vermissten.
„Wir haben wirklich alles Mögliche unternommen und sind teilweise nur in einer Höhe von zehn Metern geflogen,“ erinnert sich Werner Geiger, ehemaliger Helikopter-Chefpilot des Innenministeriums am Flugplatz Hohenems. Und der erfahrene Pilot weiß auch: „In diesem riesigen Bergmassiv werden einige Personen schon seit vielen Jahren vermisst.“