25. Juni 2019

AKTUELLES

Krankenschwester meisterte zwei Krisen

Dem Krebstod davongelaufen!

Glaub an dich und gib nie auf! Worte aus dem Buch „BEGINNERin“ der 35-jährigen Elisabeth Brandner, in dem sie berührend und herzerfrischend die Hochs und Tiefs der Gefühle von der Krebsdiagnose über den Unfalltod ihres Lebensgefährten bis zum Therapieende und den gesunden Neubeginn schildert.


Elisabeth Brandner lebt mit ihrem neuen Partner Gerald in Seitenstetten

Zwischen 20 und 40 Jahren ist man dabei, so richtig durchzustarten und sein Leben auszukosten. Wer denkt da an Krebs? Just am 26. Geburtstag bekam Elisabeth Brandner aus St. Peter in der Au die Diagnose Morbus Hodgkin. „Jetzt muss ich sterben“, war der erste Gedanke. Einen Tag später nahm ihr ein Arzt die Todesangst und teilte ihr mit, dass die Therapie bei Lymphdrüsenkrebs weit fortgeschritten ist und die Heilungsrate zwischen 95 und 100 Prozent liegt.
Elisabeth war wegen eines vermeintlichen Infekts mit Erschöpfung, Fieber und Kurzatmigkeit zum Arzt gegangen. Nach der Krebsgewissheit ging alles Schlag auf Schlag: Untersuchungen, Biopsie und Planung der Chemotherapie in einem Linzer Spital, weil man ja keine Zeit verlieren wollte. Beiläufig meinte ein Mediziner: „Ich weiß nicht, wie es mit dem Kinderwunsch bei Ihnen aussieht, aber Sie könnten nach der Chemotherapie unfruchtbar sein“. Elisabeth traf die nächste Keule, wo sie doch mit ihrem Lebenspartner Jonas (Name geändert) nicht nur ein Haus bauen, sondern auch Kinder haben wollte.
Man offenbarte ihr, dass eine Kryokonservierung von Eierstockgewebe möglich ist. Teile des Eierstockgewebes werden dabei entnommen, tiefgefroren und somit vor der Belastung durch die Chemotherapie geschützt. Sollte es nach der Behandlung zu Unfruchtbarkeit kommen, könne man das Gewebe auftauen und rückverpflanzen. So hieß es damals.
„Einige Tage später war ich mit meinem Freund schon auf dem Weg zur Innsbrucker Universitätsklinik, wo der linke Eierstock entfernt wurde. Er sollte um 280 Euro pro Jahr in einem kühlen Stickstoffmodul für die nächsten Jahre ruhen. Keine schöne Angelegenheit, aber wohl die einzige Möglichkeit, irgendwann Kinder zu haben“, sagt Elisabeth. Doch das mit dem Rücktransplantieren ist bis heute nicht passiert, weil sich die Experten nicht mehr sicher sind, ob das Gewebe nicht doch schlafende Krebszellen enthält.
Einige Tage nach Innsbruck begannen die Chemotherapie-Zyklen und es kam der 10. April 2010. . „Jonas arbeitete an unserem Haus, da kam ein Anruf von der Polizei. Der Mann am Telefon sagte ‚Bitte kommen Sie schnell, Ihr Freund ist auf der Baustelle abgestürzt!‘ “. Sie fand Jonas bewusstlos und mit schwersten Gehirnblutungen vor.
Die Ärzte machten ihr wenig Hoffnung auf ein Wiederaufwachen. Elisabeths Welt drohte endgültig zusammenzubrechen. „Das darf nicht sein, Jonas bitte komm zurück zu mir! Ich wollte meine vorletzte Chemo sausen lassen, nur mehr bei Jonas im Spital sein. Letztendlich ging ich unter gutem Zureden doch zur Behandlung“, erinnert sich die tapfere Frau. Jonas verstarb am 16. April, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben.
„Ich fand keine Ruhe mehr, mein Fühlen war abgetötet, ich begann wieder zu rauchen, träumte jede Nacht von Jonas und weinte, bis ich so leer war und nicht mehr konnte. Ich habe keine Zukunft mehr, wofür soll ich noch kämpfen und gesund werden?“
Mit einfühlsamer Begleitung durch Familie, Psychotherapeutin und Freunden brachte die junge Patientin auch noch ihre Bestrahlungen hinter sich. „Alles war innerlich im Halsbereich verbrannt, ich konnte nicht schlucken, die Stimme blieb weg. Es war ärger als bei der Chemo.“ Trotzdem begann Elisabeth in dieser Zeit mit ihrem Vater, einem begeisterten Sportler, zu laufen.
Vier Wochen nach Therapieende zeigte die Untersuchung: Der Tumor ist weg. Zwei Monate nach Ende der Strahlentherapie lief Elisabeth im September 2018 mit ihrem Papa ihren ersten Halbmarathon. „Das gesunde Leben hat mich wieder, ich bin bereit für den Neubeginn!“
Heute ist Elisabeth Brandner im Landeskrankenhaus Steyr auf der Neonatologie und Kinderüberwachungsstation beschäftigt. Sie kümmert sich um Frühchen und Sorgenkinder und hilft mit, dass sie liebevoll gepflegt in das Leben starten können.
Die temperamentvolle und fröhliche Mittdreißigerin ist mittlerweile auch ausgebildete Yogalehrerin und Lauf-Instruktorin. Sie lebt wieder in einer glücklichen Partnerschaft.
„Seit drei Jahren muss ich zu keiner Kontrolluntersuchung mehr“, strahlt die pumperlg‘sunde Frau, die keine Angst vor einem Rückfall hat. Sie sagt: „Ich traue mich zu sagen, dass ich glücklicher bin als vor der Krebsdiagnose. Qualität und Genuss im Leben halte ich hoch, das gilt für Freundschaften und Lebensstil. Das bin ich mir wert.“