06. Dezember 2019

AKTUELLES

St. Florians Stiftsbibliothekar schrieb Buch über das Privatleben des großen Musikers

Ewiger Junggeselle: Anton Bruckner war ständig auf Freiersfüßen!


Stiftsbibliothekar Dr. Friedrich Buchmayr (Bild) kann’s auch anders. Bisher hat der 59-Jährige mit Sachbüchern, etwa über August Strindberg, überzeugt, jetzt legte er mit „Mensch Bruckner!“ein literarisches Glanzstück vor. Es ist wohl das interessanteste Buch über Anton Bruckner abseits seines Musikerlebens und ermöglicht eine neue Sicht auf den Meisterkomponisten.

„Sie sind meine erste richtige Flamme gewesen,“ gestand Anton Bruckner bei einer Primizfeier in St. Florian Aloisia Bogner, die er viele Jahre zuvor nach seiner Versetzung als Hilfslehrer von Kronstorf nach St. Florian kennengelernt hatte.
Als Bruckner nach seiner Sängerknabenzeit zum zweiten Mal in den Stiftsort zurückkehrte, war er 21 Jahre alt, Aloisia Bogner, die Tochter des Schullehrers, neun Jahr jung. Sie umschwärmte und umschwirrte mit ihrer Schwester Judith den sympathischen Junglehrer, der ihnen am Klavier Lieder vorsang.
Als Aloisia erwachsen wurde, steckte ihr Bruckner romantische Liebesgedichte ans Fenster. Doch Bogner heiratete nicht Anton Bruckner, sondern Anton Schlagintweit, Schulleiter im benachbarten Asten. Es war Bruckners erster Korb, dem noch viele folgen sollten.
Die Bemühungen Bruckners um eine Ehefrau beleuchtet der Florianer Stiftsbibliothekar Dr. Friedrich Buchmayr in dem Buch „Mensch Bruckner! Der Komponist und die Frauen“ (Müry Salzmann Verlag, 333 Seiten, 28 Euro). Buchmayr arbeitet und forscht seit  32 Jahren in der Bibliothek des Chorherrenstifts und ist ein intimer Kenner des großen Musikers. Zu seinem Arbeitsbereich gehört schließlich auch das Brucknerarchiv mit allen Briefen, Fotografien, Ehrungen und Zeugnissen des Komponisten.
„Bruckner wird oft als klein, dicklich, tollpatschig und mit Glatze beschrieben,“ weiß Buchmayr, „doch er war 1,85 Meter groß und damit größer als Wagner und Brahms, trug immer kurzes Haar und konnte sich im intellektuellen Kreis auch hervorragend ausdrücken und gescheite Fragen stellen.“
Was Bruckners „Frauengeschichten“ betrifft, ist die Quellenlage dünn, doch durch eine literarische List bringt Buchmayr amüsant Licht in dieses Lebenskapitel Bruckners, der neben Schopenhauer, Brahms und Nietzsche zu den geistesgeschichtlich berühmtesten Junggesellen des 19. Jahrhunderts gehörte. Buchmayr lässt Dutzende Zeitzeugen und Betroffene über Bruckner und seine Frauen erzählen und hitzig debattieren. Ein wissenschaftlich-belletristisches Meisterstück!
Am 7. November (19 Uhr) wird das Buch im Altomontesaal des Stifts St. Florian bei freiem Eintritt präsentiert. Es lesen der Autor und Schauspiel-Doyen Gerhard Brössner.