24. Oktober 2020

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Die Kluft verkleinern


m.radmayr@hallo-zeitung.at

(Ober-)österreich wird ärmer. Das ist keine schwierige Prognose, obwohl sie die Zukunft betrifft. Die Corona-Krise beschert nicht nur heuer vielen Landsleuten Einkommens- und Vermögenseinbußen. Das wird auch in den nächsten Jahren so sein. Die Pandemie ist ein gesundheitliches und soziologisches Problem: Sie spaltet die Gesellschaft.
Wenn es nicht gelingt, den wirtschaftlichen Schaden einzudämmen und die Belastungen fair zu verteilen, stehen der soziale Frieden und die politische Ruhe am Spiel. Die Ungleichheit im Lande wird zunehmen, radikale Kräfte werden Zulauf erhalten. Die Abstiegsangst in der Mitte der Gesellschaft ist schon spürbar, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sehen mit großer Skepsis in die Zukunft. Der Umbruch in der Auto- und Luftfahrtindustrie wirkt da nicht gerade beruhigend. Oberösterreich mit seinen vielen Zulieferbetrieben hat hier wirtschaftlich eine offene Flanke, die Schmerzen bereitet. Dazu kommen viele Selbständige und zehntausende Einpersonen-Unternehmen, die um ihre Geschäftsgrundlagen und Existenzen fürchten. Wer diesen Befund nicht wahrhaben will, braucht sich nur in einem der vielen Gasthäuser umzuhören, die ebenfalls am Rande des Ruins stehen.
Damit die Kluft zwischen dem öffentlichen  und privaten Sektor nicht noch weiter aufgeht, müssen öffentlich Bedienstete finanziell und solidarisch in die Verantwortung eingebunden werden. Ob Bund, Länder und Gemeinden den Mut zu diesem Schritt haben, werden die anstehenden Gehaltsverhandlungen zeigen.