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Ende Oktober 2026 liegt der Wasserstand deutlich unter dem Vorjahreswert. Der Abfluss in die Ager ist bereits reduziert; bei weiter sinkendem Pegel warnt Landesrat Stefan Kaineder vor ökologischen und wirtschaftlichen Folgen.
Der Attersee weist Ende Oktober 2026 einen deutlich niedrigeren Wasserstand als im Vorjahr auf. An der Messstelle Kammer-Schörfling wurden am 27. und 28. Oktober jeweils 80 Zentimeter verzeichnet. Ende Oktober 2025 waren es 144 Zentimeter gewesen. Die Entwicklung ist nicht nur für den See relevant: Über den Abfluss in die Ager betrifft sie auch die Gewässerökologie und bestehende Wassernutzungen, darunter die Kühlwasserversorgung der Lenzing AG. Konkrete ökologische Schäden oder Produktionsausfälle sind bislang jedoch nicht belegt.
Attersee-Pegel liegt 64 Zentimeter unter dem Vorjahreswert
Der aktuelle Attersee-Pegel von 80 Zentimetern liegt um 64 Zentimeter unter dem Vergleichswert von Ende Oktober 2025. Ende Februar 2026 waren an der Messstelle noch 159 Zentimeter gemessen worden.
Die Pegelangabe bezeichnet den Wasserstand in Bezug auf den festgelegten Messnullpunkt der Messstelle. Sie ist daher nicht mit der tatsächlichen Tiefe des Attersees gleichzusetzen. Auch Vergleiche mit Pegelwerten anderer Seen sind nur möglich, wenn Messsystem und Bezugsniveau berücksichtigt werden.
Der Gewässerbezirk Gmunden überwacht die Entwicklung laufend und meldet den Wasserzustand regelmäßig an die zuständigen Behörden. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Verhältnis zwischen dem Wasserstand des Attersees und der Wasserabgabe in die Ager.
Abfluss in die Ager auf 4,5 Kubikmeter pro Sekunde reduziert
Die Steuerung am Klauswehr wurde im August 2026 durch eine einstweilige Verfügung geändert. Seither ist die Abgabe aus dem Attersee in die Ager auf 4,5 Kubikmeter pro Sekunde reduziert. Die Sonderregelung sieht vor, diese Abflussmenge bei sinkendem Pegel bis hinunter auf 59 Zentimeter konstant zu halten.
Nach der regulären Wehrbetriebsordnung würde der Abfluss bei einem Attersee-Pegel von 59 Zentimetern im Winter auf weniger als 2,2 Kubikmeter pro Sekunde zurückgehen. Ob der See diesen Schwellenwert erreicht, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen. Maßgeblich sind die weitere Entwicklung des Wasserstands und die Zuflüsse in den See.
Die Regelung verdeutlicht den Zielkonflikt bei der Wehrsteuerung: Eine geringere Abgabe kann dazu beitragen, mehr Wasser im Attersee zu halten. Gleichzeitig benötigt die Ager eine ausreichende Wasserführung. Veränderungen des Abflusses können deshalb Auswirkungen flussabwärts haben.
Kaineder warnt vor möglichen ökologischen Schäden
Oberösterreichs Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder warnt für den Fall eines weiteren Absinkens vor ökologischen und wirtschaftlichen Folgen. Nach seiner Einschätzung könnte eine sehr geringe Wasserführung in der Ager Schäden am Gewässer bis hin zu Fischsterben verursachen.
Dabei handelt es sich um eine Risikoeinschätzung des zuständigen Landespolitikers. Ein bereits eingetretenes Fischsterben oder andere konkrete ökologische Schäden infolge des derzeitigen Attersee-Pegels sind damit nicht festgestellt.
Entscheidend bleibt, wie sich die Wasserführung der Ager bei einem weiter sinkenden Seepegel entwickelt. Die behördliche Überwachung soll dafür die Grundlage liefern.
Kühlwasserversorgung der Lenzing AG im Blick
Auch wirtschaftlich könnte eine weitere Verschärfung relevant werden. Die Lenzing AG nutzt Wasser aus der Ager zur Kühlung. Nach Angaben Kaineders könnte eine zu geringe Wasserführung die Kühlwasserversorgung beeinträchtigen. Als mögliche weitere Folgen nannte er Produktionsausfälle und Auswirkungen auf Arbeitsplätze.
Konkrete Produktionsunterbrechungen oder eine bezifferte Schadenshöhe sind bislang nicht belegt. Die genannten wirtschaftlichen Konsequenzen beschreiben ein mögliches Risiko für den Fall, dass der Wasserstand weiter sinkt und dadurch erheblich weniger Wasser in der Ager verfügbar wäre.
Die Wasserabgabe am Klauswehr muss somit mehrere Interessen berücksichtigen: den Wasserstand des Attersees, die ökologische Situation der Ager und bestehende Nutzungen entlang des Flusses. Eine zusätzliche Verringerung des Abflusses könnte den Seepegel stützen, zugleich aber den Nutzungskonflikt flussabwärts verschärfen.
Neusiedler See knapp über dem Tiefststand von 2022
Auch am Neusiedler See im Burgenland wurde Ende Oktober 2026 ein niedriger Wasserstand verzeichnet. Am 26. Oktober lag er bei 114,90 Metern über Adria. Damit fehlten nur zwei Zentimeter auf den historischen Tiefststand von 114,88 Metern über Adria aus dem Jahr 2022.
Gegenüber dem Vorjahreswert lag der Wasserstand um 36 Zentimeter niedriger. Zum langjährigen Mittel betrug die Differenz 49 Zentimeter. Anders als beim Attersee handelt es sich bei den Angaben zum Neusiedler See um absolute Höhenwerte über Adria. Die Zahlen der beiden Seen können daher nicht unmittelbar miteinander verglichen werden.
59-Zentimeter-Marke bleibt am Attersee entscheidend
Die Messwerte dokumentieren an beiden Seen einen deutlich niedrigeren Wasserstand als im jeweiligen Vergleichszeitraum. Sie erlauben jedoch keine verlässliche Vorhersage über die weitere Entwicklung.
Für den Attersee ist entscheidend, ob sich der Pegel weiter der Marke von 59 Zentimetern nähert, bis zu der die Sonderregelung eine Abgabe von 4,5 Kubikmetern pro Sekunde vorsieht. Die laufenden Messungen des Gewässerbezirks Gmunden bilden damit die Grundlage für mögliche weitere Entscheidungen über die Wasserabgabe in die Ager.
