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Der Frauenanteil in Führungspositionen steigt, während Teilzeitarbeit und politische Repräsentation weiterhin deutliche Unterschiede zeigen.
Frauen verdienten in Österreich 2024 pro Bruttostunde durchschnittlich 17,6 Prozent weniger als Männer. Das geht aus dem am 30. Oktober 2026 veröffentlichten Gleichstellungsbericht 2025 des Bundes hervor. Die vorläufige Kennzahl liegt zwar unter dem Wert von 2023, bleibt aber deutlich über dem EU-Durchschnitt. Für Beschäftigte in Österreich ist die Entwicklung relevant, weil Einkommensunterschiede, Teilzeit und der Zugang zu Führungspositionen Erwerbschancen und langfristig auch die soziale Absicherung beeinflussen.
Der Bericht der Wirkungscontrollingstelle untersucht die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Rahmen der wirkungsorientierten Bundesverwaltung. Er bündelt Kennzahlen und Analysen aus sieben Themenfeldern: Arbeitsmarkt und Bildung, Entscheidungspositionen und -prozesse, Infrastruktur und Umwelt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Schutz vor Gewalt, Gesundheit sowie Sensibilisierung und Kompetenzentwicklung.
Österreich deutlich über dem EU-Durchschnitt
Der für 2024 ausgewiesene Gender Pay Gap von 17,6 Prozent ist ein vorläufiger Wert. Im Jahr davor hatte die Lohnlücke noch 18,3 Prozent betragen. Der EU-Durchschnitt lag 2024 laut Eurostat bei 11,1 Prozent. Österreich wies damit nach Estland und Tschechien den dritthöchsten Wert unter den EU-Mitgliedstaaten auf.
Die Kennzahl erfasst die Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern in privatwirtschaftlichen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten. Sie wird als Anteil am durchschnittlichen Bruttostundenverdienst der Männer angegeben. Unterschiede im Ausmaß der wöchentlichen Arbeitszeit sind durch die Betrachtung der Stundenverdienste bereits berücksichtigt.
Es handelt sich allerdings um den unbereinigten Gender Pay Gap. Die Kennzahl vergleicht sämtliche erfassten Frauen und Männer, ohne Unterschiede etwa bei Branche, Beruf, Position oder Erwerbsverlauf rechnerisch herauszulösen. Sie ist daher ein Maß für die gesamte Verdienstlücke in den einbezogenen Unternehmen, aber kein unmittelbarer Nachweis dafür, wie groß ein möglicher Entgeltunterschied bei gleicher Tätigkeit und gleichen Voraussetzungen ist.
Teilzeit bleibt stark ungleich verteilt
Besonders deutlich zeigt sich die unterschiedliche Erwerbssituation bei Eltern. Im Jahr 2025 arbeiteten laut Gleichstellungsbericht 74 Prozent der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit. Bei Männern mit Kindern dieser Altersgruppe waren es 8,6 Prozent.
Dieser Unterschied erklärt den auf Stundenbasis berechneten Gender Pay Gap nicht unmittelbar, weil das Arbeitszeitausmaß bei dieser Kennzahl bereits berücksichtigt ist. Teilzeit reduziert jedoch in der Regel das monatliche und jährliche Erwerbseinkommen. Über längere Zeiträume kann sie sich zudem auf berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und auf die Höhe späterer Pensionsansprüche auswirken.
Der Bericht ordnet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deshalb als eigenes Themenfeld ein. Die Zahlen zeigen, dass die Aufteilung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Sorgearbeit weiterhin stark geschlechtsspezifisch geprägt ist. Welche individuellen Gründe hinter einer Teilzeitentscheidung stehen, lässt sich aus dem Anteil allein nicht ableiten.
Mehr Frauen in leitenden Positionen
Bei der Besetzung von Führungsfunktionen dokumentiert der Bericht eine längerfristige Veränderung. Der Frauenanteil in leitenden Positionen stieg von 29,7 Prozent im Jahr 2015 auf 37,2 Prozent im Jahr 2025. Das entspricht einem Zuwachs von 7,5 Prozentpunkten innerhalb von zehn Jahren.
Die Entwicklung zeigt eine stärkere Beteiligung von Frauen an Entscheidungspositionen, zugleich stellen sie in diesen Funktionen weiterhin deutlich weniger als die Hälfte. Der Gleichstellungsbericht betrachtet solche Führungs- und Entscheidungsstrukturen gemeinsam mit der politischen Repräsentation.
Dort weist der verwendete Metaindikator für Frauen in nationalen Parlamenten und Regierungen 2025 einen Anteil von 36,6 Prozent aus. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 2,5 Prozentpunkte. Anders als beim langfristig gestiegenen Frauenanteil in leitenden Positionen zeigt diese Kennzahl somit zuletzt keine weitere Annäherung.
Bildungswahl und Arbeitsmarkt hängen zusammen
Der Bericht hält außerdem fest, dass Bildungs- und Studienentscheidungen weiterhin geschlechtsspezifische Muster aufweisen. Solche Unterschiede sind für den Arbeitsmarkt relevant, weil Ausbildung und Studienrichtung den Zugang zu Berufen, Branchen und späteren Karrierewegen mitbestimmen können. Der Bericht behandelt Arbeitsmarkt und Bildung daher in einem gemeinsamen Themencluster.
Die gesammelten Kennzahlen zeichnen insgesamt kein einheitliches Bild. Fortschritten beim Zugang von Frauen zu leitenden Positionen stehen eine im EU-Vergleich große Lohnlücke, eine sehr ungleiche Verteilung der Teilzeitarbeit bei Eltern und ein zuletzt gesunkener Anteil in politischen Entscheidungsfunktionen gegenüber.
Vorläufige Lohndaten werden noch überprüft
Die Daten zum Gender Pay Gap für 2024 sind vorläufig. Eurostat zufolge sollen Vergleichswerte aus der regulären Verdienststrukturerhebung im Dezember 2026 verfügbar werden. Diese Erhebung wird im Vierjahresrhythmus durchgeführt; für die Jahre dazwischen melden die Mitgliedstaaten darauf abgestimmte Schätzungen.
Für die weitere Beurteilung der Einkommensentwicklung wird daher entscheidend sein, ob die detaillierteren Daten den Rückgang von 18,3 auf 17,6 Prozent bestätigen. Unabhängig von einer möglichen Revision bleibt der Abstand zum EU-Durchschnitt erheblich. Der Gleichstellungsbericht macht damit vor allem sichtbar, in welchen Bereichen sich die Beteiligung von Frauen verbessert hat und wo strukturelle Unterschiede bei Einkommen, Arbeitszeit und Entscheidungsmacht fortbestehen.
