Für seine Darstellung des Kopfgeldjägers Dr. King Schultz in „Django Unchained“ erhielt Christoph Waltz 2013 seinen zweiten Oscar. Die erneute Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino festigte seinen internationalen Erfolg. Vorausgegangen waren Jahrzehnte im europäischen Theater, Fernsehen und Kino.
Als Christoph Waltz am 24. Februar 2013 den Oscar als bester Nebendarsteller entgegennahm, war er in derselben Kategorie bereits einmal ausgezeichnet worden. Drei Jahre zuvor hatte er für „Inglourious Basterds“ gewonnen. Beide Rollen entstanden unter der Regie von Quentin Tarantino.
Mit Dr. King Schultz spielte Waltz jedoch eine Figur, die innerhalb der Geschichte eine deutlich andere Aufgabe übernimmt als der SS-Offizier Hans Landa aus dem früheren Film. Schultz wird zum Verbündeten des von Jamie Foxx dargestellten Django.
Die beiden Auszeichnungen verbinden somit zwei unterschiedliche Figuren und dieselbe künstlerische Zusammenarbeit. Waltz selbst beschrieb deren Grundlage wiederholt als Vertrauen in Tarantinos Schreiben.
Der internationale Durchbruch kam nach langer Berufserfahrung
Christoph Waltz wurde 1956 in Wien geboren. Seine Ausbildung führte ihn an das Max Reinhardt Seminar und später nach New York, wo er unter anderem bei Lee Strasberg und Stella Adler studierte.
Es folgten Engagements an europäischen Bühnen sowie zahlreiche Arbeiten für Fernsehen und Film. Zu seinen Theaterstationen gehörten nach der biografischen Darstellung der Viennale unter anderem das Schauspielhaus Zürich, das Burgtheater und die Salzburger Festspiele.
Seit dem Ende der 1970er-Jahre arbeitete er regelmäßig vor der Kamera. Im deutschsprachigen Fernsehen übernahm er dabei sehr unterschiedliche Rollen. Einem breiteren Publikum wurde er unter anderem durch seine Darstellung des Sängers Roy Black bekannt.
Als „Inglourious Basterds“ 2009 internationale Aufmerksamkeit auf ihn lenkte, verfügte Waltz folglich bereits über mehr als drei Jahrzehnte Berufserfahrung. Seine Laufbahn hatte lange vor den Hollywood-Auszeichnungen begonnen.
Cannes machte Hans Landa zu einer ausgezeichneten Rolle
Für seine Darstellung des Hans Landa erhielt Waltz am 24. Mai 2009 den Darstellerpreis des Filmfestivals Cannes.
Diese Auszeichnung ist vom späteren Oscar zu unterscheiden. In Cannes gewann er den Preis für den besten Darsteller. Bei der Oscar-Verleihung am 7. März 2010 wurde dieselbe Leistung in der Kategorie bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
In seiner Cannes-Dankesrede hob Waltz die Zusammenarbeit mit den anderen Beteiligten und insbesondere Tarantinos Bedeutung für die Rolle hervor. Bei der anschließenden Pressekonferenz verwies er zugleich auf seine lange Berufstätigkeit.
Der Moment markierte damit einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung seiner Arbeit. Aus einem im europäischen Film- und Fernsehbetrieb erfahrenen Schauspieler wurde ein international beachteter Darsteller.
Dr. King Schultz begleitet Djangos Suche
„Django Unchained“ spielt in den amerikanischen Südstaaten vor dem Bürgerkrieg. Jamie Foxx verkörpert Django, der seine versklavte Frau Broomhilda finden und befreien will.
Waltz spielt den deutschstämmigen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz. Dieser benötigt zunächst Djangos Hilfe bei der Suche nach gesuchten Männern. Aus der Zusammenarbeit entwickelt sich ein gemeinsamer Weg, auf dem Schultz auch Djangos persönliches Vorhaben unterstützt.
Die Figur erfüllt damit mehrere erzählerische Aufgaben. Sie verbindet Django mit der Welt der Kopfgeldjagd und wird zu seinem Partner. Gleichzeitig bleibt Djangos Suche nach Broomhilda das zentrale Ziel der Handlung.
Zur Besetzung gehören außerdem Kerry Washington als Broomhilda, Leonardo DiCaprio als Calvin Candie und Samuel L. Jackson als Stephen. Waltz’ Rolle entfaltet sich somit innerhalb eines Ensembles und im Zusammenspiel mit dessen unterschiedlichen Figuren.
Ein Verbündeter mit eigenen Widersprüchen
Schultz lässt sich als Gegenfigur zu den Menschen lesen, die Django versklaven und seine Frau gefangen halten. Zugleich verdient er seinen Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit, die Gewalt einschließt.
Diese Spannung ist für die Betrachtung der Rolle aufschlussreich. Ein Verbündeter muss innerhalb einer Erzählung nicht in jeder Hinsicht widerspruchsfrei sein. Hilfsbereitschaft, berufliches Eigeninteresse und die Bereitschaft zur Gewalt können nebeneinanderstehen.
Auch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft beschreibt die Protagonisten in ihrer Filmeinordnung als erkennbare Kunstfiguren, deren Handeln teilweise zynisch und brutal ist. Schultz’ Funktion als Helfer hebt die problematischen Seiten seines Handelns daher nicht einfach auf.
Zwei Oscars für zwei Tarantino-Filme
Der Film stammt aus dem Produktionsjahr 2012. Der Oscar wurde 2013 verliehen, weil die betreffende Verleihung Filme des vorherigen Jahres würdigte.
Waltz setzte sich in seiner Kategorie gegen Alan Arkin, Robert De Niro, Philip Seymour Hoffman und Tommy Lee Jones durch. Tarantino erhielt für „Django Unchained“ außerdem den Oscar für das beste Originaldrehbuch.
Die Auszeichnung für Schultz blieb nicht auf die Academy Awards beschränkt. Waltz gewann für diese Darstellung auch einen Golden Globe und den BAFTA als bester Nebendarsteller.
| Auszeichnung | Film | Verleihungsjahr |
|---|---|---|
| Oscar als bester Nebendarsteller | „Inglourious Basterds“ | 2010 |
| Oscar als bester Nebendarsteller | „Django Unchained“ | 2013 |
| BAFTA als bester Nebendarsteller | „Django Unchained“ | 2013 |
| Golden Globe als bester Nebendarsteller | „Django Unchained“ | 2013 |
Die verschiedenen Preise dokumentieren die Anerkennung der Darstellung durch unterschiedliche Institutionen. Sie liefern allerdings keine vollständige Erklärung dafür, welche einzelne Szene oder schauspielerische Entscheidung jeweils ausschlaggebend war.
Was Waltz über die Arbeit mit Tarantino sagte
Bei der BAFTA-Verleihung am 10. Februar 2013 stellte Waltz das Drehbuch und die Regie Tarantinos in den Mittelpunkt seiner Dankesrede. Zugleich bedankte er sich bei seinen Schauspielkollegen für ihre Unterstützung und Zusammenarbeit.
In der anschließenden Pressekonferenz wurde er genauer nach dem Verhältnis zum Regisseur gefragt. Waltz beschrieb gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Er äußerte außerdem seine Bewunderung für Tarantino als Geschichtenerzähler und sein Vertrauen darin, dessen Texte sprechen zu können.
Diese Aussagen erklären einen Teil seines eigenen Verständnisses der Zusammenarbeit. Sie belegen keine allgemeine Methode, nach der jede seiner Rollen entstanden wäre. Für die beiden Tarantino-Filme benennen sie aber einen konkreten gemeinsamen Ausgangspunkt: das geschriebene Material.
Die Anerkennung des Drehbuchs verkleinert dabei nicht die Aufgabe des Schauspielers. Zwischen einer geschriebenen Figur und ihrer Darstellung liegen Entscheidungen über Stimme, Rhythmus, Reaktion und Zusammenspiel.
Schauspiel beschreibt er als Arbeit am vorhandenen Text
In einem vom Filmfestival Cannes im Mai 2013 veröffentlichten Interview erläuterte Waltz seine Vorbereitung auf Rollen. Er betonte das sichere Beherrschen des Textes und beschrieb Schauspiel als Arbeit.
Auf die Frage nach Improvisation erklärte er, diese nicht besonders zu mögen. Das Schreiben betrachtete er als Aufgabe des Autors, seine eigene Tätigkeit als Interpretation des Geschriebenen.
Auch zu seiner Ausbildung äußerte er sich mit zeitlichem Abstand. Die Erfahrungen in New York seien wichtig gewesen; zugleich müsse man zu Erlerntem eine eigene Haltung entwickeln.
Daraus lässt sich ein auf Vorbereitung und Interpretation ausgerichtetes Arbeitsverständnis erkennen. Es wäre jedoch zu weitgehend, allein aus diesen Aussagen sämtliche Wirkungen einer konkreten Filmrolle erklären zu wollen.
Eine Nebenrolle kann die Geschichte wesentlich mitgestalten
Die Oscar-Kategorie bezeichnet Waltz’ Arbeit als Nebenrolle. Das bedeutet nicht, dass Dr. King Schultz für den Verlauf des Films nur beiläufig wichtig wäre.
Django bleibt die zentrale Figur, deren Suche die Handlung trägt. Schultz beeinflusst jedoch seine Möglichkeiten und begleitet wesentliche Abschnitte dieses Weges. Seine Bedeutung ergibt sich auch aus der Beziehung zum Protagonisten.
Für die Betrachtung einer solchen Darstellung ist deshalb das Zusammenspiel entscheidend. Wie eine Figur auf andere reagiert, was sie ermöglicht und welche Konflikte sie erzeugt, gehört ebenso zur schauspielerischen Aufgabe wie ihr eigener Dialog.
Waltz’ Dank an das Ensemble lässt sich in diesem Zusammenhang einordnen: Eine ausgezeichnete Einzelleistung entsteht innerhalb gemeinsam gespielter Szenen.
Der zweite Oscar gehört in eine größere Laufbahn
Zwischen und neben den beiden Tarantino-Filmen arbeitete Waltz mit weiteren Regisseuren. Dazu gehörten Roman Polanski bei „Carnage“, Francis Lawrence bei „Water for Elephants“ und Michel Gondry bei „The Green Hornet“.
Bereits diese unterschiedlichen Projekte zeigen, dass seine internationale Arbeit über die beiden ausgezeichneten Figuren hinausreicht. Die Oscars machen bestimmte Leistungen besonders sichtbar; sie bilden nicht die gesamte Filmografie ab.
„Django Unchained“ bleibt darin ein klar belegter beruflicher Meilenstein. Die Darstellung des Dr. King Schultz brachte Waltz mehrere bedeutende Schauspielpreise ein und führte die Zusammenarbeit mit Tarantino erfolgreich fort.
Seine veröffentlichten Aussagen lenken den Blick dabei immer wieder auf konkrete Grundlagen des Berufs: Vorbereitung, Textverständnis, Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen Autor, Regisseur und Darsteller.

