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Klima

Mehr Hitzetage, weniger Frost: Was Österreichs Klimadaten zeigen

Hallo-Zeitung.at Redaktion
aktualisiert: 8. November 2026 15:17
Mehr Hitzetage, weniger Frost: Was Österreichs Klimadaten zeigen

Österreichs Klima verändert sich auch daran, wie häufig bestimmte Temperaturschwellen überschritten oder unterschritten werden. Tage mit mindestens 30 Grad sind vielerorts häufiger geworden. Gleichzeitig haben Tage, an denen die Temperatur durchgehend unter dem Gefrierpunkt bleibt, langfristig abgenommen. Die Entwicklung betrifft allerdings nicht alle Regionen im gleichen Ausmaß.

Ein kalter Wintermonat widerspricht diesem Befund ebenso wenig wie ein vergleichsweise kühler Sommer. Um Veränderungen einzuordnen, braucht es längere Messreihen, eindeutige Begriffe und passende Vergleichszeiträume. Gerade bei Hitze und Frost kann eine einzelne Zahl sonst einen falschen Eindruck vermitteln.

Hitzetag, Frosttag und Eistag bezeichnen unterschiedliche Dinge

In der Klimatologie werden Tage nach festgelegten Temperaturschwellen gezählt. Entscheidend ist jeweils, ob das Tagesmaximum oder das Tagesminimum betrachtet wird.

Kennzahl Definition
Hitzetag Die höchste Lufttemperatur erreicht mindestens 30 Grad Celsius.
Frosttag Die niedrigste Lufttemperatur fällt unter null Grad Celsius.
Eistag Selbst die höchste Lufttemperatur bleibt unter null Grad Celsius.

Ein Tag mit minus drei Grad am Morgen und plus sieben Grad am Nachmittag ist somit ein Frosttag, aber kein Eistag. Erst wenn die Temperatur den gesamten Tag unter null bleibt, wird auch ein Eistag gezählt.

Die Unterscheidung ist praktisch relevant: Eine frostige Nacht sagt etwas anderes aus als durchgehender Frost. Ebenso beschreibt ein Hitzetag zunächst nur das Überschreiten einer Schwelle. Ob die Temperatur knapp über 30 Grad oder deutlich darüber liegt und wie lange die Hitze anhält, zeigt die bloße Tageszahl nicht.

In den Landeshauptstädten wurden Hitzetage deutlich häufiger

Eine 2022 veröffentlichte Auswertung der damaligen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, heute Teil von GeoSphere Austria, veranschaulicht die langfristige Veränderung.

Im Zeitraum 1961 bis 1990 lag die durchschnittliche jährliche Zahl der Hitzetage in Österreichs Landeshauptstädten je nach Stadt zwischen drei und zwölf. Im Zeitraum 1991 bis 2020 reichte die entsprechende Spanne bereits von neun bis 23.

Diese Werte sind keine österreichweiten Flächenmittel. Sie beschreiben die Spannweite zwischen den untersuchten Städten. Ebenso wenig bedeuten sie, dass jede Landeshauptstadt in jedem Jahr mindestens neun Hitzetage erlebt.

Der Vergleich zeigt dennoch eine deutliche Verschiebung: Das Überschreiten der 30-Grad-Schwelle wurde über längere Zeiträume wesentlich häufiger. Für die Beurteilung der Belastung eines konkreten Sommers müssen zusätzlich die Dauer zusammenhängender Hitzeperioden und die nächtliche Abkühlung betrachtet werden.

Weniger Eistage bedeuten weiterhin mögliche Kälteperioden

Auch am kalten Ende der Temperaturverteilung sind Veränderungen erkennbar. Das österreichische Klimawandelanpassungsportal beschreibt für die meisten bewohnten Regionen einen Rückgang der durchschnittlichen jährlichen Eistage um etwa 20 bis 40 Prozent. Verglichen werden die Perioden 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020.

Damit werden längere Phasen mit durchgehendem Frost seltener. Daraus folgt jedoch nicht, dass Frost verschwindet oder jeder Winter milder als der vorherige ausfallen muss.

Außerdem dürfen Frosttage und Eistage nicht gleichgesetzt werden. Eine Region kann weiterhin zahlreiche Nächte mit Minusgraden verzeichnen, während die Temperatur tagsüber häufiger über null steigt. Für Aussagen über den Winter muss deshalb erkennbar sein, welche Kennzahl gemeint ist.

Auch die Zahl der Tage mit einem Wechsel zwischen Frost und positiven Temperaturen entwickelt sich nicht überall gleich. Ein allgemeiner Rückgang kalter Bedingungen lässt sich nicht unverändert auf jede Höhenlage und jeden einzelnen Temperaturindex übertragen.

Warum Klimaforschung mit 30 Jahren rechnet

Ein einzelner Sommer wird stark von den jeweiligen Wetterlagen geprägt. Für die Beschreibung des Klimas werden deshalb längere Zeiträume herangezogen. Nach den Richtlinien der Weltorganisation für Meteorologie beruhen Klimanormalwerte auf 30-jährigen Mittelwerten. Die derzeitige Standardbezugsperiode ist 1991 bis 2020.

Das Mittel glättet einen Teil der Unterschiede zwischen einzelnen Jahren. Es ist aber weder eine Obergrenze noch eine Vorhersage für das nächste Jahr.

Angenommen, ein Ort hätte im langjährigen Durchschnitt 15 Hitzetage: Ein Sommer mit acht und ein anderer mit 25 wären damit grundsätzlich vereinbar. Dieses Rechenbeispiel beschreibt keine bestimmte österreichische Messstation, sondern den Unterschied zwischen Durchschnitt und Einzeljahr.

Bei Vergleichen muss außerdem dieselbe Grundlage verwendet werden. Ein Wert gegenüber 1961 bis 1990 beantwortet eine andere Frage als ein Wert gegenüber 1991 bis 2020. Beide Angaben können korrekt sein und dennoch unterschiedlich groß ausfallen.

Ein kalter Jänner widerlegt den langfristigen Trend nicht

Wie stark einzelne Monate abweichen können, zeigte der Jänner 2026. Nach der vorläufigen Monatsbilanz von GeoSphere Austria gab es in Österreich unterhalb von 500 Metern Seehöhe rund 42 Prozent mehr Eistage als in einem durchschnittlichen Jänner der Periode 1991 bis 2020.

Diese Angabe betrifft die Häufigkeit von Eistagen in einem Monat und einer bestimmten Höhenstufe. Sie bedeutet weder, dass die Temperatur um 42 Prozent niedriger war, noch beschreibt sie den gesamten Winter oder das Jahr 2026.

Das Beispiel verdeutlicht das Verhältnis von Wetter und Klima: Eine langfristig sinkende Häufigkeit schließt einzelne überdurchschnittlich kalte Monate nicht aus. Für eine Trendbewertung werden viele Jahre gemeinsam untersucht. Aus einem einzelnen Ausschlag lässt sich die Richtung der langfristigen Entwicklung nicht zuverlässig ableiten.

Bundesländer allein erklären die Unterschiede nicht

Österreichs Landschaft weist auf engem Raum große Höhenunterschiede auf. Ein Bundesland kann warme Beckenlagen, dicht bebaute Städte, schattige Täler und hochalpine Gebiete umfassen. Eine einzige Tageszahl für das gesamte Bundesland bildet diese Unterschiede nur eingeschränkt ab.

Für lokale Vergleiche sind deshalb die Höhenlage und die genaue Lage der betrachteten Fläche wesentlich. Auch innerhalb einer Gemeinde können unterschiedliche Bedingungen herrschen.

Hinzu kommt die Berechnungsmethode. Der ÖROK-Atlas verwendet bei bestimmten gemeindebezogenen Hitzeindikatoren den höchsten Wert der zugeordneten Rasterzellen. Ein solcher Wert beschreibt die am stärksten betroffene Rasterlage und nicht den Durchschnitt aller Wohnadressen.

Wer zwei Gemeinden vergleicht, muss daher wissen, ob Stationsmessungen, Flächenmittel oder Höchstwerte innerhalb der Gemeinde gegenübergestellt werden. Die gleiche Einheit macht unterschiedlich berechnete Zahlen noch nicht unmittelbar vergleichbar.

Warum lange Messreihen sorgfältig aufbereitet werden

Für belastbare Aussagen reicht es nicht, alte und neue Thermometerwerte nebeneinanderzustellen. Über Jahrzehnte können Messstationen verlegt, Instrumente ersetzt oder Beobachtungszeiten verändert werden. Solche Änderungen können Sprünge in einer Messreihe verursachen, die keinen klimatischen Ursprung haben.

Die klimatologische Aufbereitung berücksichtigt deshalb Informationen zur Stationsgeschichte und Vergleiche mit benachbarten Messreihen. Fachleute sprechen dabei von Homogenisierung.

Das Ziel ist, langfristige Temperaturentwicklungen möglichst zuverlässig von Änderungen der Messbedingungen zu unterscheiden. Eine dokumentierte und geprüfte Reihe bietet dafür eine bessere Grundlage als der unkritische Vergleich beliebiger Einzelmessungen.

Auch deshalb sind kurzfristig angezeigte Temperaturen an einem Auto, einer Hauswand oder einer privaten Wetterstation nicht ohne Weiteres mit einer langjährigen klimatologischen Stationsreihe gleichzusetzen.

Weniger Frosttage schließen Schäden im Frühling nicht aus

Für Pflanzen ist nicht allein entscheidend, an wie vielen Tagen eines Jahres Frost auftritt. Ebenso wichtig ist, wann die Kälte einsetzt und in welchem Entwicklungsstadium sich die Pflanzen befinden.

Mit steigenden Temperaturen beginnen viele jahreszeitliche Entwicklungsphasen früher. Ein später Kälteeinbruch kann dadurch auf bereits entwickelte Blüten oder junge Triebe treffen.

Aus einer sinkenden jährlichen Frosttageszahl lässt sich daher keine allgemeine Entwarnung für Obstbau und Landwirtschaft ableiten. Umgekehrt wäre auch die pauschale Behauptung zu weitgehend, das Spätfrostrisiko steige überall zwangsläufig an.

GeoSphere Austria weist darauf hin, dass das Zusammenspiel zwischen vorverlegter Pflanzenentwicklung und veränderten Kälteereignissen differenziert betrachtet werden muss. Für eine konkrete Kultur und einen bestimmten Standort braucht es genauere Untersuchungen.

Was Temperaturkennzahlen aussagen können

Hitze- und Frosttage machen einen Teil des Klimawandels anschaulich. Sie zeigen, wie häufig bestimmte Bedingungen auftreten, die für Alltag, Gebäude, Landwirtschaft oder Infrastruktur relevant sind.

Ihre Aussagekraft steigt, wenn Ort, Zeitraum, Definition und Berechnungsmethode angegeben werden. Für eine vollständige Bewertung reichen sie allein jedoch nicht aus: Ein Hitzetag sagt noch nichts über die Dauer einer Hitzewelle. Ein Frosttag beschreibt weder die Schneelage noch automatisch einen Pflanzenschaden.

Die langfristigen Daten zeigen eine Verschiebung hin zu häufigeren heißen und selteneren kalten Bedingungen. Wie sich diese Entwicklung an einem konkreten Ort auswirkt, erschließt sich aus den regionalen Messreihen und den jeweils betroffenen Lebens- und Wirtschaftsbereichen.

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