Tirol verzeichnet die meisten Nächtigungen, Kärnten die längste durchschnittliche Aufenthaltsdauer und Wien den stärksten prozentuellen Nächtigungszuwachs. Diese Ergebnisse für das Kalenderjahr 2025 zeigen, wie unterschiedlich Österreichs Tourismus strukturiert ist. Eine einzige Rangliste kann diese Unterschiede nur teilweise abbilden.
Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen mehrere Größen zusammen betrachtet werden: die Anzahl der Übernachtungen, die Aufenthaltsdauer und die Verteilung auf unterschiedliche Unterkünfte. Auch die Herkunft der Gäste spielt eine Rolle. Daraus werden verschiedene touristische Profile sichtbar, ohne dass sich ein Bundesland pauschal zum wirtschaftlich erfolgreichsten erklären lässt.
Tirol und Salzburg vereinen mehr als die Hälfte der Nächtigungen
Österreichs Beherbergungsbetriebe verzeichneten im Kalenderjahr 2025 insgesamt rund 157,29 Millionen Nächtigungen. Davon entfielen etwa 50,02 Millionen auf Tirol und 30,90 Millionen auf Salzburg.
Zusammen erreichten die beiden Bundesländer damit einen Anteil von rund 51,5 Prozent. Ihre Bedeutung für das österreichische Gesamtergebnis ist entsprechend groß: Bereits kleinere prozentuelle Veränderungen können bei diesem Volumen erhebliche zusätzliche Übernachtungszahlen bedeuten.
Wien folgte mit rund 20,09 Millionen Nächtigungen. Dahinter lagen die Steiermark und Kärnten.
Diese Größenordnung beschreibt die erfasste Nachfrage. Sie misst weder unmittelbar die Qualität eines Reiseziels noch den Gewinn seiner Betriebe. Auch Unterschiede bei Bevölkerung, Fläche und verfügbarer Beherbergungskapazität bleiben in einer solchen absoluten Rangfolge zunächst unberücksichtigt.
Die neun Bundesländer im Überblick
Die Tabelle verwendet durchgehend das Kalenderjahr 2025. Nächtigungszahlen sind auf zwei Dezimalstellen in Millionen gerundet, die Aufenthaltsdauer auf eine Dezimalstelle.
| Bundesland | Nächtigungen 2025 | Veränderung zu 2024 | Durchschnittliche Aufenthaltsdauer |
|---|---|---|---|
| Tirol | 50,02 Mio. | +1,7 % | 3,9 Nächte |
| Salzburg | 30,90 Mio. | +2,4 % | 3,7 Nächte |
| Wien | 20,09 Mio. | +6,5 % | 2,3 Nächte |
| Steiermark | 14,08 Mio. | +0,8 % | 3,1 Nächte |
| Kärnten | 13,05 Mio. | −0,7 % | 4,0 Nächte |
| Vorarlberg | 9,55 Mio. | +0,5 % | 3,5 Nächte |
| Oberösterreich | 8,92 Mio. | +0,4 % | 2,6 Nächte |
| Niederösterreich | 7,30 Mio. | −0,3 % | 2,4 Nächte |
| Burgenland | 3,38 Mio. | +2,8 % | 2,7 Nächte |
| Österreich insgesamt | 157,29 Mio. | +1,9 % | 3,3 Nächte |
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ergibt sich aus Nächtigungen geteilt durch Ankünfte. Sie beschreibt die erfassten Aufenthalte und nicht die gesamte Reisedauer einer Person, die möglicherweise mehrere Unterkünfte nacheinander besucht.
Kärnten liegt bei der Aufenthaltsdauer vor Tirol
Mit durchschnittlich vier Nächten je Ankunft erreichte Kärnten 2025 unter den Bundesländern den höchsten Wert. Tirol folgte mit 3,9, Salzburg mit 3,7 und Vorarlberg mit 3,5 Nächten.
Wien lag bei 2,3 Nächten und damit deutlich darunter. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gäste dort grundsätzlich weniger zufrieden wären oder ein kürzerer Aufenthalt wirtschaftlich schlechter ausfiele.
Die Kennzahl wird durch die Zusammensetzung der Aufenthalte beeinflusst. Unterschiedliche Unterkunftsarten und Reiseanlässe können zu unterschiedlichen Durchschnittswerten führen.
Auch innerhalb eines Bundeslandes können erhebliche Abweichungen bestehen. Ein Landesmittel fasst kurze und lange Aufenthalte zusammen. Es beschreibt daher weder jeden einzelnen Betrieb noch sämtliche Tourismusregionen gleichermaßen.
Wien verbindet viele Ankünfte mit kürzeren Aufenthalten
Wien verzeichnete 2025 rund 8,59 Millionen Ankünfte und damit etwas mehr als das Bundesland Salzburg mit rund 8,38 Millionen. Bei den Nächtigungen lag Salzburg dennoch deutlich vor Wien.
Der Grund lässt sich rechnerisch erklären: Die längere durchschnittliche Aufenthaltsdauer erzeugte in Salzburg mehr Übernachtungen je Ankunft.
Das Beispiel zeigt, warum Ankunfts- und Nächtigungsranglisten unterschiedliche Reihenfolgen ergeben können. Ein Standort mit vielen kürzeren Aufenthalten kann mehr Ankünfte zählen als eine Region, deren Gäste länger bleiben.
Für die Organisation eines Betriebs sind beide Größen relevant. Mehr Aufenthaltswechsel können zusätzliche An- und Abreisevorgänge bedeuten. Welche wirtschaftlichen Folgen daraus entstehen, hängt unter anderem von Preisen, Leistungsumfang und betrieblicher Organisation ab.
Die Unterkunftsstruktur verändert den Vergleich
In Wien entfielen 2025 rund 16,31 Millionen Nächtigungen auf Hotels und ähnliche Betriebe. Das entsprach etwa 81,2 Prozent aller erfassten Übernachtungen im Bundesland.
In Tirol lag der entsprechende Anteil bei rund 57,3 Prozent. Dort hatten daneben gewerbliche Ferienwohnungen und Ferienhäuser sowie private Unterkünfte ein erhebliches Gewicht.
„Private Unterkunft“ ist dabei ein statistischer Begriff. Er umfasst beispielsweise Privatquartiere und private Ferienwohnungen. Gemeint sind nicht automatisch kostenlose Übernachtungen bei Freunden oder Verwandten.
Die unterschiedliche Zusammensetzung ist für die Interpretation wichtig: Ein Landesdurchschnitt kann sich verändern, wenn eine Unterkunftsart stärker wächst als eine andere. Dafür müssen sich die Aufenthaltsgewohnheiten innerhalb jeder einzelnen Kategorie nicht zwangsläufig ebenfalls verändern.
Camping hat in Kärnten besonderes Gewicht
Kärntens Campingplätze verzeichneten 2025 rund 2,58 Millionen Nächtigungen. Bezogen auf sämtliche erfassten Übernachtungen im Bundesland waren das etwa 19,8 Prozent.
Damit entfiel ungefähr jede fünfte Kärntner Nächtigung auf Campingplätze. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in dieser Kategorie lag bei 5,3 Nächten und damit über dem Kärntner Gesamtwert von vier Nächten.
Die Bedeutung einer Unterkunftsart lässt sich also auf zwei Ebenen betrachten: an ihrem Anteil am Gesamtvolumen und an ihrer eigenen Aufenthaltsstruktur.
Daraus folgt allerdings keine einfache Ursache-Wirkungs-Aussage für den gesamten Landestourismus. Der Gesamtwert entsteht aus allen erfassten Kategorien. Für eine genauere Erklärung müssten zusätzlich deren jeweilige Gewichte und Veränderungen untersucht werden.
Inlands- und Auslandsnachfrage sind regional verschieden verteilt
Auch die Herkunftsmärkte unterscheiden sich deutlich. In Tirol entfielen 2025 rund 91,9 Prozent der Nächtigungen auf Gäste mit Wohnsitz im Ausland.
Im Burgenland überwogen dagegen Übernachtungen von Gästen aus Österreich: Ihr Anteil betrug rund 76,9 Prozent. Auch in Niederösterreich und der Steiermark lag die Inlandsnachfrage über der Hälfte.
Diese Verteilung beschreibt unterschiedliche Marktstrukturen. Sie kann beispielsweise dabei helfen einzuordnen, welche Herkunftsmärkte für die Nachfrageentwicklung besonders relevant sind.
Das Herkunftsland richtet sich in der Statistik grundsätzlich nach dem Hauptwohnsitz, nicht nach der Staatsangehörigkeit. „Ausländische Gäste“ ist in diesem Zusammenhang deshalb als statistische Zuordnung nach Wohnsitz zu verstehen.
Wachstum in Prozent braucht die Ausgangsgröße
Wien erzielte 2025 mit einem Nächtigungsplus von 6,5 Prozent den höchsten relativen Zuwachs unter den Bundesländern. Das Burgenland folgte mit 2,8 Prozent, Salzburg mit 2,4 Prozent.
Für die Einordnung ist neben dem Prozentsatz die Ausgangsgröße wichtig. Ein Plus von einem Prozent erzeugt bei 50 Millionen Nächtigungen eine wesentlich größere absolute Veränderung als bei drei Millionen.
Umgekehrt kann eine kleinere Destination prozentuell deutlich wachsen, ohne die Größenordnung nächtigungsstarker Bundesländer zu erreichen.
Auch ein leicht rückläufiger Jahreswert erklärt seine Ursachen nicht selbst. Für Kärnten und Niederösterreich müssten die Veränderungen nach Monaten, Herkunftsmärkten und Unterkunftsarten untersucht werden, bevor einzelne Gründe belastbar benannt werden können.
Landeswerte verdecken Unterschiede zwischen Gemeinden
Ein Bundesland ist kein einheitliches Reiseziel. Städte, einzelne Ferienorte und weniger stark besuchte Gemeinden können sich unterschiedlich entwickeln.
Besonders wichtig ist diese Abgrenzung bei Salzburg: Die Werte für das Bundesland dürfen nicht mit jenen der Stadt Salzburg verwechselt werden. Das Bundesland umfasst zahlreiche weitere Destinationen und Unterkunftsangebote.
Dasselbe Prinzip gilt für andere Landeshauptstädte. Das Ergebnis von Graz beschreibt nicht die gesamte Steiermark, jenes von Innsbruck nicht ganz Tirol.
Für örtliche Entscheidungen sind deshalb tiefer gegliederte Daten erforderlich. Ein Landesplus kann gleichzeitig mit Rückgängen in einzelnen Gemeinden auftreten. Der übergeordnete Durchschnitt ersetzt keine regionale Betrachtung.
Nächtigungen allein messen weder Auslastung noch Ertrag
Eine hohe Nächtigungszahl sagt zunächst, wie viele Übernachtungen erfasst wurden. Für die Auslastung muss zusätzlich das verfügbare Angebot im passenden Zeitraum betrachtet werden.
Wächst die Kapazität stärker als die Nachfrage, können die Nächtigungen steigen, während die Auslastung zurückgeht. Ohne Kapazitätsdaten bleibt dieser Zusammenhang offen.
Auch wirtschaftliche Erträge lassen sich nicht unmittelbar ableiten. Unterkunftspreise, Ausgaben für weitere Leistungen und betriebliche Kosten beeinflussen das Ergebnis.
Für die gesamtwirtschaftliche Bedeutung werden deshalb zusätzliche Instrumente wie Tourismus-Satellitenkonten verwendet. Sie berücksichtigen touristische Nachfrage über mehrere Wirtschaftsbereiche hinweg. Eine Nächtigungsrangliste erfüllt diese Aufgabe nicht.
Der Vergleich zeigt unterschiedliche touristische Profile
Die Ergebnisse für 2025 machen mehrere Unterschiede sichtbar: Tirol und Salzburg prägen das österreichische Nächtigungsvolumen, Kärnten erreicht die längste durchschnittliche Aufenthaltsdauer und Wien verbindet hohe Ankunftszahlen mit vergleichsweise kurzen Aufenthalten.
Daneben unterscheiden sich Unterkunftsarten und Herkunftsmärkte erheblich. Diese Strukturen helfen, Veränderungen genauer zu untersuchen.
Für eine fundierte Bewertung muss die Frage deshalb präzise sein: Geht es um Nachfragevolumen, Aufenthaltsdauer, Auslastung oder wirtschaftliche Wirkung? Je nach Fragestellung sind andere Kennzahlen erforderlich. Die neun Bundesländer lassen sich vergleichen, ihre unterschiedlichen Tourismusstrukturen aber nicht auf eine einzige Erfolgszahl reduzieren.

