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Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt im September 2026 leicht. Deutlich stärker wächst die Langzeitbeschäftigungslosigkeit, während auf dem Lehrstellenmarkt knapp 4.000 Plätze fehlen.
Im September 2026 waren in Österreich rund 381.200 Menschen arbeitslos vorgemerkt oder in einer Schulung des Arbeitsmarktservice. Das waren nach den aktuellen Arbeitsmarktdaten etwa 6.000 Personen beziehungsweise 1,6 Prozent mehr als im September des Vorjahres. Besonders auffällig ist die Langzeitbeschäftigungslosigkeit: Sie stieg binnen eines Jahres um elf Prozent auf 104.101 Betroffene. Damit verfestigt sich die schwierige Lage für einen erheblichen Teil der Arbeitssuchenden.
306.600 Personen waren arbeitslos vorgemerkt
Die häufig genannte Gesamtzahl von rund 381.200 umfasst zwei Gruppen: arbeitslos vorgemerkte Menschen und Teilnehmende an AMS-Schulungen. Rund 306.600 Personen waren im September unmittelbar als arbeitslos registriert. Die Differenz von ungefähr 74.600 Personen entfiel auf Schulungsteilnehmende.
Diese Unterscheidung ist für die Einordnung wesentlich. Die Gesamtzahl beschreibt die Zahl der beim AMS erfassten Menschen ohne reguläre Beschäftigung einschließlich Schulungen. Sie ist daher nicht mit der Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen allein gleichzusetzen.
Auch ein Vergleich mit den Arbeitslosenzahlen von Statistik Austria ist nur eingeschränkt möglich. Statistik Austria ermittelt die Erwerbslosigkeit nach der internationalen Definition der Internationalen Arbeitsorganisation auf Basis einer Haushaltsbefragung. Das AMS verwendet hingegen Verwaltungsdaten seiner Vormerkungen. Im zweiten Quartal 2026 waren laut Statistik Austria nach internationaler Definition durchschnittlich 272.100 Personen arbeitslos; die Quote betrug 5,7 Prozent. Diese Werte beziehen sich auf einen anderen Zeitraum und beruhen auf einer anderen Methode.
Mehr als 104.000 langzeitbeschäftigungslos
Die stärkste Verschlechterung zeigt sich bei Menschen, die bereits länger ohne nachhaltige Beschäftigung sind. Im September galten 104.101 Personen als langzeitbeschäftigungslos. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren das 10.311 Betroffene mehr, was einem Anstieg um elf Prozent entspricht.
Langzeitbeschäftigungslose stellten damit 34 Prozent aller arbeitslos vorgemerkten Personen. Während die gesamte Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmenden im Jahresvergleich um 1,6 Prozent zunahm, war der Anstieg in dieser Gruppe wesentlich höher. Die Daten zeigen somit nicht nur eine leichte Zunahme der Gesamtbetroffenheit, sondern vor allem eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit bei einem Teil der Arbeitssuchenden.
Für das AMS und die Beschäftigungspolitik ist diese Entwicklung besonders relevant. Je größer die Gruppe mit längerer Abwesenheit vom Arbeitsmarkt wird, desto stärker rücken gezielte Vermittlung, Qualifizierung und die Verfügbarkeit geeigneter Stellen in den Mittelpunkt. Welche Maßnahmen im Einzelfall erforderlich sind, lässt sich aus den Bestandszahlen allein allerdings nicht ableiten.
Frauen stärker betroffen, Jugendarbeitslosigkeit rückläufig
Zwischen Frauen und Männern entwickelte sich die registrierte Arbeitslosigkeit unterschiedlich. Bei Frauen nahm sie gegenüber September 2025 um sechs Prozent zu. Bei Männern ging sie dagegen leicht um 0,6 Prozent zurück. Die Jugendarbeitslosigkeit sank im Jahresvergleich um 1,5 Prozent.
Die Prozentwerte beschreiben Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat, nicht die Arbeitslosenquote der betreffenden Gruppen. Aus den aggregierten Zahlen können zudem keine eindeutigen Ursachen für die unterschiedliche Entwicklung abgeleitet werden. Dafür wären unter anderem Angaben zu Branchen, Beschäftigungsformen, Regionen und Arbeitszeiten erforderlich.
Ergänzend zeigen die jüngsten Quartalsdaten von Statistik Austria eine Verschiebung innerhalb der Beschäftigung: Im zweiten Quartal 2026 blieb die Zahl der Erwerbstätigen mit rund 4,5 Millionen nahezu unverändert. Gleichzeitig nahm die Vollzeitbeschäftigung ab, während die Teilzeitbeschäftigung zunahm.
Lehrstellenlücke beträgt rechnerisch 3.977 Plätze
Angespannt bleibt auch der österreichische Lehrstellenmarkt. Im September standen 11.693 Lehrstellensuchenden insgesamt 7.716 gemeldete offene Lehrstellen gegenüber. Rechnerisch fehlten damit 3.977 Ausbildungsplätze. Die Zahl der Lehrstellensuchenden war um acht Prozent höher als ein Jahr zuvor.
Die Differenz bedeutet allerdings nicht, dass jede offene Lehrstelle unmittelbar mit einer suchenden Person besetzt werden könnte. Angebot und Nachfrage können sich nach Beruf, Region, Qualifikationsanforderungen und gewünschtem Ausbildungsbeginn unterscheiden. Die bundesweite Bilanz zeigt dennoch, dass es insgesamt weniger gemeldete offene Lehrstellen als vorgemerkte Lehrstellensuchende gab.
Arbeitsmarkt steht vor zwei unterschiedlichen Aufgaben
Die September-Zahlen machen zwei Herausforderungen sichtbar: Einerseits benötigen mehr als 100.000 langzeitbeschäftigungslose Menschen Perspektiven für einen dauerhaften Wiedereinstieg. Andererseits fehlt für knapp 4.000 Lehrstellensuchende rechnerisch ein gemeldeter Ausbildungsplatz. Ob sich die allgemeine Lage in den kommenden Monaten verbessert, lässt sich aus einem einzelnen Monatsvergleich nicht verlässlich vorhersagen. Klar ist jedoch, dass die leichte Zunahme der Gesamtarbeitslosigkeit die deutlich stärkere Verfestigung bei länger Betroffenen nur teilweise erkennen lässt.

