Zum Inhalt springen
Gesundheit

„Besser Leben“ bündelt Gesundheitsangebote für gehörlose Menschen

Hallo-Zeitung.at Redaktion
aktualisiert: 24. September 2026 17:47
„Besser Leben“ bündelt Gesundheitsangebote für gehörlose Menschen
„Besser Leben“ bündelt Gesundheitsangebote für gehörlose Menschen

Mithilfe von KI erstellt

Der in Wien präsentierte Gesundheitsguide bietet Informationen in Österreichischer Gebärdensprache und Leichter Sprache. Das Verzeichnis soll Anlaufstellen leichter auffindbar machen, kann Versorgungslücken aber nicht ersetzen.

Das Gesundheitsportal „Besser Leben“ ist am 22. September 2026 in Wien präsentiert worden. Der von equalizent erstellte digitale Guide bündelt Gesundheitsinformationen, Kontaktdaten und Materialien für gehörlose Menschen in Österreich. Inhalte in Österreichischer Gebärdensprache und Leichter Sprache sollen einen selbstständigeren Zugang zu Prävention, Medizin und psychosozialer Versorgung ermöglichen. Relevant ist das Angebot auch für Angehörige und Fachkräfte, die nach barrierefrei erreichbaren Anlaufstellen suchen.

Was das Gesundheitsportal „Besser Leben“ bietet

Das Portal gliedert sich in drei zentrale Bereiche: inklusive Gesundheitsangebote, Prävention sowie Lernmaterialien und Lexikon. Die erfassten Anlaufstellen lassen sich nach Themen wie Beratung, Gesundheitsversorgung, Medizin, mentaler Gesundheit, Sicherheit, Sucht, Sport und technischen Hilfsmitteln durchsuchen.

Eine sogenannte Präventionsbox sammelt Gesundheitsinformationen in Österreichischer Gebärdensprache, kurz ÖGS, oder in Leichter Sprache. Ergänzend stehen E-Learnings, Arbeitsblätter, ein Lexikon und Materialien anderer Anbieter zur Verfügung. „Besser Leben“ ist damit sowohl ein Verzeichnis als auch eine Plattform zur Vermittlung von Gesundheitswissen.

Das öffentliche Gesundheitsportal Österreich führt den Guide ebenfalls als Unterstützungsangebot an. Auf seiner Informationsseite zur Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen nennt es verständliche beziehungsweise Leichte Sprache, visuelle Hilfsmittel, Untertitel und Videos in ÖGS als wichtige Bestandteile barrierefreier Gesundheitskommunikation.

Kommunikationsbarrieren reichen bis zur Diagnostik

Bei der Präsentation in Wien berichteten Betroffene und Fachleute über Schwierigkeiten bei medizinischen Untersuchungen sowie in der psychiatrischen und psychologischen Versorgung. Dabei geht es nicht nur um die Übersetzung einzelner Sätze. Für Anamnese, Diagnose und Therapie müssen Beschwerden, Vorerkrankungen, Risiken und Behandlungsschritte möglichst genau vermittelt werden können.

Wie weitreichend fehlende Kommunikationsmöglichkeiten sein können, zeigte ein bei der Veranstaltung geschilderter Einzelfall. Nach Darstellung einer klinischen Psychologin war für ein gehörloses Kind in Wien keine Stelle bekannt, die diagnostische Kompetenz, Gebärdensprachkenntnisse und Wissen über Gehörlosigkeit vereinte. Die Familie sei deshalb für die Abklärung nach Linz verwiesen worden.

Der Fall erlaubt keine Aussage über die flächendeckende Versorgung in Österreich. Er veranschaulicht jedoch mögliche praktische Folgen fehlender spezialisierter Angebote: längere Wege, zusätzlicher Organisationsaufwand und eine geringere Auswahl geeigneter Einrichtungen.

Spezialisierte Angebote sind regional begrenzt

Ein Beispiel für ein spezialisiertes Angebot ist das Projekt „Auf Augenhöhe“ am Universitätsklinikum Wiener Neustadt in Niederösterreich. Dort werden gehörlose Patientinnen und Patienten mithilfe von Gebärdensprache und visuellen Kommunikationsmitteln begleitet. Bei der Präsentation am 22. September 2026 wurde angegeben, dass dafür zehn Wochenstunden zur Verfügung stehen.

Solche Projekte können die Verständigung vor Ort verbessern, sind jedoch zeitlich und regional begrenzt. Ein Verzeichnis wie „Besser Leben“ kann bestehende Einrichtungen leichter auffindbar machen und Hinweise darauf geben, in welchen Regionen oder Fachbereichen nur wenige spezialisierte Angebote erfasst sind. Eine systematische oder vollständige Bewertung der österreichischen Versorgung ist damit nicht verbunden.

Das Portal ersetzt zudem weder medizinisches Personal mit entsprechender Kommunikationskompetenz noch verfügbare Dolmetsch- und Beratungsangebote. Für die Barrierefreiheit ist nicht nur entscheidend, ob allgemeine Informationen übersetzt wurden. Ebenso wichtig sind zugängliche Terminvereinbarungen, eine verlässliche Verständigung während der Behandlung und geeignete Kommunikationswege in akuten Situationen.

Besondere Bedeutung hat die sprachliche Verständigung bei psychologischen oder psychiatrischen Gesprächen. Dort können sprachliche Feinheiten für die diagnostische Einschätzung und die weitere Betreuung wesentlich sein. Ein Onlineverzeichnis kann den Zugang zu passenden Stellen erleichtern, die notwendige fachliche und kommunikative Kompetenz in der Behandlung aber nicht ersetzen.

Gehörlosen-Notruf per SMS und Fax

Für akute Situationen weist das öffentliche Gesundheitsportal Österreich einen Gehörlosen-Notruf per SMS oder Fax unter der Nummer 0800 133 133 aus. Die Angabe findet sich auf der mit 30. Juni 2026 datierten Informationsseite zur Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen.

Diese Notrufmöglichkeit ist von allgemeinen Informations- und Beratungsangeboten zu unterscheiden. Während „Besser Leben“ Gesundheitswissen, Materialien und Kontaktdaten bündelt, dient der ausgewiesene Notruf der Kontaktaufnahme in akuten Situationen.

Barrierefreiheit im Gesundheitswesen umfasst damit mehrere Ebenen: verständliche Präventionsinformationen, die Suche nach geeigneten Einrichtungen, die Kommunikation in Ordinationen und Krankenanstalten sowie erreichbare Notfallsysteme.

Mehr Übersicht, aber kein Ersatz für Versorgung

Der unmittelbare Nutzen von „Besser Leben“ liegt darin, bereits vorhandene Angebote an einer Stelle zusammenzuführen. Gehörlose Menschen, Angehörige und Fachkräfte können dadurch gezielter nach Anlaufstellen und geeigneten Materialien suchen. Das Portal soll zugleich auf regionale Unterschiede und mögliche Versorgungslücken aufmerksam machen.

Ob der Zugang zum Gesundheitswesen tatsächlich barrierefrei wird, entscheidet sich allerdings im Alltag der Einrichtungen: bei der Terminvereinbarung, im Gespräch mit medizinischem Personal und bei der Verfügbarkeit spezialisierter Leistungen. „Besser Leben“ kann dafür Orientierung bieten und Hinweise auf fehlende Angebote geben. Strukturelle Kommunikationsbarrieren lassen sich durch ein Onlineportal allein jedoch nicht beseitigen.

Artikel teilen