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An mindestens fünf Standorten sollen Kinder auch in der fünften und sechsten Schulstufe gemeinsam lernen. Mittelschule und AHS bleiben als Schularten bestehen.
Die sechsjährige Volksschule soll im Schuljahr 2027/28 als begrenzter Schulversuch an mindestens fünf Standorten in Österreich beginnen. Dafür sollen Volksschulen mit Mittelschulen oder allgemeinbildenden höheren Schulen zusammenarbeiten. Kinder würden in der fünften und sechsten Schulstufe länger gemeinsam unterrichtet und sollen letztlich ein Zeugnis einer Mittelschule oder AHS erhalten. Für Familien ist das im September 2026 vorgestellte Modell vorerst nur dort relevant, wo Schulen für den Pilotversuch ausgewählt werden.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr kündigte an, dass nach dem ersten Pilotjahr im Schuljahr 2028/29 weitere Schulen hinzukommen sollen. Welche Standorte teilnehmen werden, war bei der Vorstellung des Konzepts noch offen. Wien hat bereits Interesse bekundet und will freiwillig teilnehmende Schulen bei der Umsetzung unterstützen.
Gemeinsamer Unterricht in der fünften und sechsten Schulstufe
Im regulären österreichischen Schulsystem besuchen Kinder üblicherweise vier Jahre lang die Volksschule. Danach wechseln sie in eine Mittelschule oder in die Unterstufe einer AHS. Der geplante Schulversuch setzt an dieser Schnittstelle an: Eine Volksschule kooperiert mit einer weiterführenden Schule, während die Kinder in der fünften und sechsten Schulstufe weiterhin gemeinsam unterrichtet werden sollen.
Der Unterricht kann nach dem vorgestellten Konzept entweder am Standort der Volksschule oder an der beteiligten Mittelschule beziehungsweise AHS stattfinden. Die bisherige Klassenlehrkraft soll die Klasse in den beiden zusätzlichen Schulstufen noch vier bis sieben Wochenstunden begleiten. Gleichzeitig werden Lehrkräfte der Sekundarstufe eingebunden.
Für die Pilotschulen sind vier zusätzliche Lehrkräftestunden vorgesehen. Diese können unter anderem für Kleingruppen oder Teamteaching verwendet werden. Ab der fünften Schulstufe soll außerdem eine zusätzliche Wochenstunde für Persönlichkeitsbildung angeboten werden.
Mittelschule und AHS bleiben bestehen
Die Bezeichnung sechsjährige Volksschule bedeutet nicht, dass Mittelschule und AHS im Schulversuch abgeschafft oder zu einer neuen Schulart zusammengeführt werden. Am Ende sollen die Schülerinnen und Schüler ein Zeugnis einer Mittelschule oder AHS erhalten. Darin ist nach dem vorgestellten Konzept ein Vermerk über die Teilnahme am Schulversuch vorgesehen.
Für Kinder mit AHS-Berechtigung wurde zudem eine Platzgarantie an einem Gymnasium angekündigt. Damit soll die Teilnahme am Modell den weiteren Bildungsweg nicht einschränken. Wann und nach welchen Kriterien die Zuordnung zur Mittelschule oder AHS erfolgt, war bei der Vorstellung der Eckpunkte noch nicht näher ausgeführt.
Die konkrete Umsetzung wird auch von den beteiligten Schulen abhängen. Entscheidend ist dabei nicht nur, an welchem Standort unterrichtet wird, sondern ebenso, wie Volksschul- und Sekundarstufenlehrkräfte zusammenarbeiten. Für Eltern wird zudem wesentlich sein, wie Zeugnisse, Berechtigungen und spätere Wechselmöglichkeiten geregelt und kommuniziert werden.
Wien will freiwillige Pilotstandorte unterstützen
Wiens Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling erklärte im September 2026, die Stadt wolle den Schulversuch umsetzen. Einzelne Wiener Schulen sollen freiwillig gemeinsam mit einer Mittelschule oder AHS teilnehmen können. Die Stadt will interessierte Einrichtungen in ihrer Funktion als Schulerhalterin unterstützen.
Emmerling verwies dabei auf die Wiener Bildungscampus-Standorte, an denen bereits mehrere Bildungsstufen unter einem Dach zusammenarbeiten. Ob ein solcher Campus oder eine andere Wiener Schule tatsächlich für den ersten Durchgang ausgewählt wird, stand zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht fest.
Unterschiedliche Positionen zum Schulversuch
Das Modell berührt eine langjährige bildungspolitische Debatte über den Wechsel von der Volksschule in unterschiedliche Schularten. Wiederkehr verbindet den Versuch mit einer längeren gemeinsamen Lernphase. Kritiker stellen dagegen infrage, ob die vorgesehene Organisationsform zentrale Herausforderungen des Schulsystems lösen kann.
ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti bezweifelte in einer Aussendung des ÖVP-Parlamentsklubs den pädagogischen Mehrwert des Versuchs. Er forderte stattdessen stärkere Investitionen in Sprachförderung, Unterrichtsqualität, Lehrkräfteausbildung und Schulautonomie. Marchetti sprach sich außerdem gegen eine Einschränkung der Wahlfreiheit der Eltern aus. Eine generelle Neuorganisation der Primarstufe oder Sekundarstufe I sei nicht Teil des Regierungsprogramms.
Die Arbeiterkammer begrüßt grundsätzlich längere gemeinsame Lernzeiten, hält dafür aber keinen zusätzlichen Schulversuch für notwendig. Sie tritt für eine gemeinsame Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen ein und warnt beim geplanten Modell vor zusätzlichen Schnittstellen und Übergangsproblemen. Nach ihrer Position sollten bestehende Schulcluster und Kooperationen zwischen Volks- und Mittelschulen gestärkt werden.
Zunächst ein begrenztes Modell
Mit mindestens fünf Standorten handelt es sich zunächst um einen begrenzten Schulversuch und nicht um eine österreichweite Reform. Nach dem ersten Pilotjahr sollen 2028/29 weitere Schulen hinzukommen. Offen bleibt, welche Schulen teilnehmen und wie die Zusammenarbeit an den einzelnen Standorten organisiert wird.
Für betroffene Familien wird daher die Ausgestaltung vor Ort ausschlaggebend sein. Erst nach der Auswahl der Pilotschulen lässt sich klären, wo der Unterricht stattfindet, welche Lehrkräfte die Klassen begleiten und wie Zeugnisse, AHS-Berechtigungen sowie spätere Wechsel in der Praxis geregelt werden.

