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Die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft liegt höher als im April 2025. Eine Erweiterung in den kommenden fünf Jahren lehnen dennoch 60 Prozent ab.
68 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Österreich Mitglied der Europäischen Union bleibt. 25 Prozent befürworten einen EU-Austritt, sechs Prozent sind unentschieden oder machten keine Angabe. Das zeigt eine am 4. Oktober 2026 veröffentlichte österreichweite Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE). Die Ergebnisse sind für die europapolitische Debatte in Österreich relevant: Einer breiten Zustimmung zum Verbleib in der EU stehen deutliche Vorbehalte gegenüber einer baldigen Erweiterung gegenüber.
Dass sich die genannten Anteile auf 99 Prozent summieren, ist auf gerundete Werte zurückzuführen.
Zustimmung seit April 2025 gestiegen
Gegenüber der Erhebung vom April 2025 erhöhte sich der Anteil jener, die für Österreichs Verbleib in der EU eintreten, um neun Prozentpunkte. Der Anteil der Austrittsbefürworterinnen und Austrittsbefürworter sank im selben Vergleich um fünf Prozentpunkte.
Die aktuellen Werte zeigen damit eine klare Mehrheit für die EU-Mitgliedschaft. Sie bedeuten allerdings nicht, dass sämtliche Vorhaben oder politischen Entscheidungen der Europäischen Union ähnlich breite Unterstützung finden. Die weiteren Fragen der Umfrage ergeben ein differenziertes Bild: Viele Befragte wünschen sich ein selbstbewussteres Auftreten der EU nach außen, während eine Aufnahme neuer Mitgliedstaaten innerhalb der nächsten Jahre mehrheitlich abgelehnt wird.
60 Prozent gegen Erweiterung in den nächsten fünf Jahren
60 Prozent lehnen es ab, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre weitere Länder der Europäischen Union beitreten. 28 Prozent befürworten eine solche Erweiterung. Die Frage erfasst die grundsätzliche Haltung zur Aufnahme neuer Mitglieder in diesem Zeitraum, nicht die Bewertung eines bestimmten Beitrittskandidaten.
Die Gesamtergebnisse zeigen somit, dass breite Zustimmung zu Österreichs Verbleib und Skepsis gegenüber einer Erweiterung gleichzeitig bestehen. Wie stark sich die beiden Gruppen überschneiden, geht aus den Gesamtwerten nicht hervor. Es lässt sich daher nicht bestimmen, wie viele Befragte zugleich für Österreichs EU-Mitgliedschaft und gegen eine baldige Erweiterung sind.
Unterschiedliche Erwartungen an die Zusammenarbeit
Auch beim gewünschten Umfang der europäischen Zusammenarbeit sind die Meinungen geteilt. 38 Prozent wünschen sich mehr Zusammenarbeit auf EU-Ebene, 21 Prozent halten den gegenwärtigen Umfang für angemessen. Rund ein Drittel spricht sich für weniger Zusammenarbeit aus.
Diese Werte unterstreichen, dass die grundsätzliche Unterstützung der Mitgliedschaft nicht automatisch mit dem Wunsch nach zusätzlicher europäischer Integration gleichzusetzen ist. Ebenso wenig bedeutet Kritik an einzelnen Bereichen der Zusammenarbeit zwangsläufig eine Unterstützung für einen Austritt Österreichs.
79 Prozent wünschen selbstbewusstere EU gegenüber den USA
Das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten war ebenfalls Teil der Befragung. 79 Prozent meinen, die EU solle bei strittigen Fragen gegenüber den USA stärker auf ihrem eigenen Standpunkt beharren. Elf Prozent sprechen sich für ein stärkeres Entgegenkommen aus.
Das Ergebnis misst eine allgemeine politische Erwartung an das Auftreten der Union. Es lässt keine unmittelbare Aussage darüber zu, welche konkreten Entscheidungen die Befragten etwa in der Handels-, Sicherheits- oder Außenpolitik unterstützen würden. Erkennbar ist jedoch ein verbreiteter Wunsch nach einem eigenständigeren europäischen Auftreten gegenüber Washington.
Mehrheit nimmt russische Destabilisierungsversuche an
58 Prozent gehen zumindest eher davon aus, dass Russland gezielt versucht, die EU und ihre Mitgliedstaaten zu destabilisieren. Dabei handelt es sich um die Einschätzung der Befragten und nicht um einen Nachweis konkreter Einflussmaßnahmen.
Die Frage steht im Zusammenhang mit europäischen Debatten über Desinformation, politische Einflussnahme und Sicherheit. Aus dem Umfragewert allein lässt sich weder ableiten, welche Vorgänge die Befragten dabei im Blick hatten, noch welche politischen Gegenmaßnahmen sie unterstützen würden.
Deutliche Abweichung bei FPÖ-Sympathisierenden
Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede nach politischer Präferenz. Unter den Befragten, die sich selbst als FPÖ-Sympathisierende bezeichneten, befürworten laut ÖGfE 56 Prozent einen Austritt Österreichs aus der Europäischen Union. Im Gesamtergebnis liegt dieser Anteil bei 25 Prozent.
Neun von zehn deklarierten FPÖ-Sympathisierenden lehnen außerdem eine EU-Erweiterung in den kommenden fünf Jahren ab. Rund drei Viertel sprechen sich gegen eine stärkere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene aus. Damit weicht diese Gruppe bei mehreren europapolitischen Fragen deutlich von der Gesamtstichprobe ab.
Die Bezeichnung bezieht sich auf selbst deklarierte Sympathisierende. Sie sagt weder etwas über eine Parteimitgliedschaft noch verlässlich über das künftige Wahlverhalten aus. Bei den Ergebnissen für diese Untergruppe ist zudem größere statistische Zurückhaltung erforderlich: Die für die gesamte Stichprobe angegebene maximale Schwankungsbreite lässt sich nicht unverändert auf kleinere Teilgruppen übertragen.
Onlinebefragung unter 1.000 Personen
Das Institut market führte die Onlinebefragung im Auftrag der ÖGfE vom 21. bis 24. September 2026 durch. Befragt wurden 1.000 Menschen im Alter von 16 bis 80 Jahren in ganz Österreich. Die Erhebung war nach Alter, Geschlecht, Region und Bildung repräsentativ. Für die Gesamtstichprobe wird eine maximale statistische Schwankungsbreite von plus oder minus 3,16 Prozentpunkten angegeben.
Umfragen bilden Einstellungen zum jeweiligen Befragungszeitpunkt ab. Der ausgewiesene Anstieg der Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft um neun Prozentpunkte ist zwar größer als die maximale Schwankungsbreite der aktuellen Erhebung. Daraus allein kann jedoch keine statistische Signifikanz des Vergleichs abgeleitet werden. Dafür müssten auch Methode, Stichprobengröße und Unsicherheit der Erhebung vom April 2025 berücksichtigt werden.
Für die politische Einordnung ist daher zwischen der grundsätzlichen Mitgliedschaftsfrage und konkreten Erwartungen an die Ausrichtung der EU zu unterscheiden. Die Umfrage zeigt eine klare Mehrheit für Österreichs Verbleib, aber keine einheitliche Haltung zu Erweiterung, Integrationsumfang oder einzelnen außenpolitischen Entscheidungen.

