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Oberösterreich will nach der kartellrechtlichen Freigabe Alleineigentümer werden. Für 2027 sind neben dem vorläufigen Kaufpreis weitere fünf Millionen Euro vorgesehen.
Der oberösterreichische Landtag hat am 1. Oktober 2026 die finanziellen Voraussetzungen für den Erwerb des 50-Prozent-Anteils der Stadt Linz am Flughafen Linz genehmigt. Vollzogen ist die Übertragung damit noch nicht: Sie steht weiterhin unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Nach einem Abschluss wäre das Land Oberösterreich zunächst Alleineigentümer des Flughafens in Hörsching. Danach soll ein privater Partner gesucht werden, der bis zu 49 Prozent übernehmen könnte. Die Entscheidung betrifft damit die künftige Finanzierung und Ausrichtung einer wichtigen Verkehrs- und Frachtinfrastruktur des Bundeslandes.
Für die entsprechende Landtagsvorlage stimmten ÖVP, FPÖ und SPÖ. Grüne, MFG und NEOS unterstützten sie nicht. Der Linzer Gemeinderat hatte dem Verkauf des städtischen Hälfteanteils bereits zuvor zugestimmt. Bislang halten das Land Oberösterreich und die Stadt Linz jeweils 50 Prozent an der Flughafen Linz GmbH.
Vorläufiger Kaufpreis von 1,325 Millionen Euro
Für den Anteil der Stadt wurde ein vorläufiger Kaufpreis von 1,325 Millionen Euro vereinbart. Nach Angaben von Stadt Linz und Land Oberösterreich entspricht dieser Betrag dem Mittelwert einer von KPMG ermittelten Bandbreite des Liquidationswertes. Eine zusätzliche Bewertung durch Ernst & Young habe das Ergebnis bestätigt.
Der Kaufpreis soll allerdings vorerst nicht ausbezahlt werden. Grund dafür ist die noch offene PFAS-Thematik auf dem Flughafenareal. PFAS ist eine Sammelbezeichnung für eine große Gruppe langlebiger Industriechemikalien. Sobald eine Sanierungslösung und die damit verbundenen Kosten feststehen, soll der endgültige Kaufpreis entsprechend angepasst werden. Wie hoch mögliche Aufwendungen ausfallen und wie stark sie den Kaufpreis beeinflussen könnten, ist noch offen.
Die Vereinbarung enthält außerdem eine auf fünf Jahre befristete Earn-out-Regelung. Verkauft das Land innerhalb dieses Zeitraums Flughafenanteile zu einem höheren Wert an private Investoren, soll die Stadt Linz am entsprechenden Mehrerlös beteiligt werden. Damit bleibt die Stadt nach dem Verkauf ihres Anteils in begrenztem Umfang an einer möglichen höheren Bewertung bei einem späteren Investoreneinstieg beteiligt.
Weitere fünf Millionen Euro für 2027 vorgesehen
Der Landtag genehmigte eine Mehrjahresverpflichtung für den Anteilserwerb sowie für notwendige Investitionen im Jahr 2027. Neben dem vorläufigen Kaufpreis sind für 2027 weitere fünf Millionen Euro für den Flughafen vorgesehen.
Aus dem Beschluss lässt sich jedoch keine unbegrenzte Verpflichtung des Landes zur alleinigen Finanzierung sämtlicher künftiger Ausgaben ableiten. Klar ist zunächst, dass das Land die Mittel für den geplanten Anteilskauf und die für 2027 vorgesehenen Maßnahmen bereitstellt. Welche weiteren Investitionen in späteren Jahren erforderlich sein werden, hängt unter anderem von der Entwicklung des Flughafens, der PFAS-Sanierung und einem möglichen Einstieg eines privaten Partners ab.
Alleineigentum wäre nur ein Zwischenschritt
Stadt und Land bezeichnen die vollständige Übernahme durch Oberösterreich ausdrücklich als Übergangslösung. Nach dem Vollzug soll ein strategischer privater Partner gesucht werden. Dieser könnte eine Beteiligung von bis zu 49 Prozent erhalten, während das Land Oberösterreich mindestens 51 Prozent und damit die Mehrheit behalten würde.
Nach Darstellung der beiden Gebietskörperschaften soll ein solcher Partner nicht nur Kapital einbringen. Erwartet werden auch Branchenwissen, Netzwerke und ein besserer Marktzugang. Dabei handelt es sich um die Zielsetzung von Stadt und Land; ob ein Investor diese Erwartungen erfüllen kann, steht erst nach einem konkreten Auswahlverfahren fest.
Ungeklärt sind derzeit auch der Zeitpunkt der Partnersuche, die Bewertung des abzugebenden Anteils und mögliche Bedingungen für einen Einstieg. Die Zusammenführung der Anteile beim Land könnte die Verhandlungen mit Interessenten vereinfachen. Ob und wann tatsächlich ein geeigneter Partner gefunden wird, ist aber nicht absehbar.
Passagierzahlen stiegen 2025, Frachtaufkommen sank
Die Verkehrszahlen des Flughafens zeigen ein gemischtes Bild. Im Gesamtjahr 2025 wurden nach Angaben des Flughafens 262.347 Passagiere gezählt. Das waren 45,19 Prozent mehr als 2024. Die reine Flugfracht ging im selben Zeitraum um 0,35 Prozent auf 15.215 Tonnen zurück. Einschließlich des per Lkw abgewickelten Truckings sank das gesamte Frachtaufkommen um 9,51 Prozent auf 47.865 Tonnen.
Im Sommer 2026 lagen mehrere Kennzahlen unter den jeweiligen Vorjahreswerten. Für Juli und August wurden auf Basis vorläufiger Daten von Statistik Austria insgesamt 68.699 Passagiere ausgewiesen. Das entsprach einem Rückgang um 13,5 Prozent gegenüber denselben beiden Monaten 2025. Die Zahl der Flüge sank um 16,6 Prozent auf 890, das Luftfrachtaufkommen um 37,5 Prozent auf 1.713 Tonnen.
Für Juli 2026 allein verzeichnete Statistik Austria vorläufig 458 Flugbewegungen und 32.420 Fluggäste. Unterjährige Angaben für das laufende Berichtsjahr können noch revidiert werden. Die Zahlen für zwei Sommermonate zeigen daher eine Abschwächung gegenüber dem Vorjahr, erlauben aber noch keine abschließende Beurteilung des Gesamtjahres 2026.
Mehrere Bedingungen sind noch offen
Der Landtagsbeschluss schafft die finanzielle Grundlage für die geplante Neuordnung, schließt sie aber noch nicht ab. Entscheidend sind nun die kartellrechtliche Freigabe und der tatsächliche Vollzug der Anteilsübertragung. Erst danach würde das Land Oberösterreich zum Alleineigentümer des Flughafens Linz.
Für die weitere wirtschaftliche Einordnung bleiben vor allem vier Punkte maßgeblich: die endgültige Höhe des Kaufpreises nach Klärung der PFAS-Kosten, der tatsächliche Investitionsbedarf, die Entwicklung des Passagier- und Frachtverkehrs sowie die Konditionen eines möglichen privaten Einstiegs. Bis diese Fragen geklärt sind, bleiben sowohl die langfristige Eigentümerstruktur als auch die finanzielle Belastung des Landes nur teilweise bestimmbar.

