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Eurostat weist für das Berichtsjahr 2025 rechnerisch 1.588 Personenkilometer je Einwohner aus. Die Kennzahl misst die Verkehrsleistung, nicht die Zahl unterschiedlicher Fahrgäste oder die Qualität des Bahnangebots.
Österreich hat 2025 bei der Schienenverkehrsleistung je Einwohner den dritten Platz innerhalb der Europäischen Union erreicht. Nach den am 30. Oktober 2026 veröffentlichten Eurostat-Daten entfielen rechnerisch 1.588 Personenkilometer auf jede Einwohnerin und jeden Einwohner. Höhere Werte verzeichneten nur Ungarn mit 1.692 und Frankreich mit 1.606 Personenkilometern. Die Platzierung unterstreicht die hohe Verkehrsleistung der Bahn in Österreich, erlaubt aber keine unmittelbaren Aussagen über Pünktlichkeit, Fahrgastzufriedenheit oder regionale Angebotsunterschiede.
EU-weiter Schienenpersonenverkehr legt zu
Insgesamt erbrachte der Schienenpersonenverkehr in der EU im Berichtsjahr 2025 eine Verkehrsleistung von 457 Milliarden Personenkilometern. Im Jahr davor waren es 445 Milliarden gewesen. Das entspricht laut Eurostat einem Anstieg um 2,6 Prozent.
Die 457 Milliarden Personenkilometer sind der höchste Wert, den große Eisenbahnunternehmen seit Beginn dieser Erhebung im Jahr 2004 gemeldet haben. Als große Unternehmen gelten in der Statistik Bahnbetreiber mit einer jährlichen Verkehrsleistung von mindestens 100 Millionen Personenkilometern. Kleinere Unternehmen haben nach Angaben von Eurostat nur einen geringen Anteil am gesamten EU-Volumen.
Die Entwicklung bedeutet, dass mit der Bahn insgesamt mehr Entfernung zurückgelegt wurde. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass die Zahl der Fahrten oder der regelmäßig Bahn fahrenden Personen im selben Ausmaß gestiegen ist. Die Verkehrsleistung nimmt auch dann zu, wenn die durchschnittlichen Fahrtstrecken länger werden.
Was Personenkilometer je Einwohner bedeuten
Ein Personenkilometer entspricht der Beförderung einer Person über einen Kilometer. Fahren beispielsweise 100 Personen jeweils zehn Kilometer, ergibt das eine Verkehrsleistung von 1.000 Personenkilometern. Für die Pro-Kopf-Kennzahl wird die gesamte erfasste Verkehrsleistung eines Landes rechnerisch auf dessen Bevölkerungszahl umgelegt.
Der österreichische Wert von 1.588 Personenkilometern je Einwohner bedeutet daher nicht, dass jede in Österreich lebende Person im Jahr 2025 tatsächlich genau diese Strecke mit der Bahn gefahren ist. Manche Menschen nutzen die Bahn täglich, andere selten oder gar nicht. Auch Fahrten von Personen, die nicht in Österreich leben, können je nach statistischer Abgrenzung zur auf österreichischem Gebiet erbrachten Verkehrsleistung beitragen.
Die Kennzahl ist außerdem kein Qualitätsurteil. Sie misst weder Pünktlichkeit und Zugausfälle noch Ticketpreise, Auslastung, Barrierefreiheit oder die Erreichbarkeit von Bahnhöfen. Ebenso wenig zeigt sie, wie stark sich das Angebot zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen unterscheidet.
Mehr Verkehrsleistung trotz weniger Beförderungsfällen
Die österreichischen Daten verdeutlichen den Unterschied zwischen Beförderungsfällen und zurückgelegter Entfernung. Die Schienen-Control weist für 2025 insgesamt 347,5 Millionen Reisende und 15,1 Milliarden Personenkilometer aus. Statistik Austria veröffentlichte für dasselbe Jahr rund 347,8 Millionen Fahrgäste. Die beiden publizierten Werte stimmen somit nicht vollständig überein und sollten wegen der unterschiedlichen Darstellungen und Datenstände nicht ohne weitere methodische Prüfung gleichgesetzt werden.
Bei den Angaben zu Reisenden beziehungsweise Fahrgästen handelt es sich nicht um die Zahl unterschiedlicher Personen. Wer mehrmals mit der Bahn fährt, geht auch mehrmals in die Beförderungsstatistik ein. Die Werte beschreiben daher Fahrten oder Beförderungsfälle und nicht, wie viele einzelne Menschen zumindest einmal einen Zug genutzt haben.
Nach den Angaben der Schienen-Control ging die Zahl der Reisenden 2025 leicht zurück, während die Personenkilometer gegenüber 2024 um 0,7 Prozent zunahmen. Die durchschnittliche Fahrtweite erhöhte sich auf 43,4 Kilometer je Fahrgast. Damit lässt sich erklären, wie die Verkehrsleistung trotz einer geringeren Zahl erfasster Beförderungsfälle wachsen konnte.
Personenzugkilometer messen das bereitgestellte Angebot
Das angebotene Leistungsvolumen erreichte 2025 laut Schienen-Control mit 138,9 Millionen Personenzugkilometern einen neuen Höchstwert. Ein Personenzugkilometer bezeichnet die Fahrt eines Personenzuges über einen Kilometer. Die Kennzahl beschreibt damit das bereitgestellte Zugangebot, nicht dessen tatsächliche Nutzung oder die Zahl der beförderten Personen.
Personenkilometer, Fahrgastzahlen und Personenzugkilometer messen somit unterschiedliche Aspekte des Bahnverkehrs. Die nationalen Gesamtwerte der Schienen-Control können zudem nicht ohne methodische Prüfung direkt aus der Eurostat-Pro-Kopf-Kennzahl abgeleitet werden. Für die EU-Rangliste sind die von Eurostat zusammengeführten und abgegrenzten Datensätze maßgeblich.
U-Bahn und Straßenbahn sind ausgenommen
Bei der Einordnung ist auch entscheidend, welche Verkehrsmittel in der österreichischen Eisenbahnstatistik berücksichtigt werden. Erfasst werden in- und ausländische Eisenbahnunternehmen, die auf österreichischem Hoheitsgebiet Schienenpersonenverkehr betreiben. Untergrundbahnen, Stadt- und Straßenbahnen sowie hauptsächlich touristisch genutzte Eisenbahnangebote sind ausgenommen.
Die Kennzahlen beschreiben daher vor allem den klassischen Eisenbahnverkehr auf dem österreichischen Schienennetz. Die gesamte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel lässt sich daraus nicht ableiten. Besonders in Wien spielen U-Bahn und Straßenbahn eine wesentliche Rolle, scheinen in dieser Eisenbahnstatistik aber nicht auf.
Hohe Verkehrsleistung, aber kein Qualitätsurteil
Österreichs dritter Platz belegt eine im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hohe Schienenverkehrsleistung. Eine solche Verkehrsleistung kann abhängig von Auslastung, Streckenführung und Spitzenzeiten auf entsprechende Anforderungen an Fahrzeuge, Streckenkapazitäten, Bahnhöfe und Fahrpläne hinweisen. Ob tatsächlich Engpässe bestehen, lässt sich aus der Pro-Kopf-Zahl allein jedoch nicht feststellen.
Für die Beurteilung des Bahnangebots sind deshalb weitere Kennzahlen nötig, darunter Pünktlichkeit, Zugausfälle, Auslastung, Kapazitätsengpässe und regionale Erreichbarkeit. Die Eurostat-Daten zeigen die starke Stellung des Eisenbahnverkehrs in Österreich, beantworten aber nicht, wie verlässlich und zugänglich das Angebot für Fahrgäste im Alltag ist.
