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Der Bundeskanzler besucht vom 2. bis 7. November Shanghai und Peking. Geplant sind Gespräche mit Xi Jinping, Li Qiang und Zhao Leji über Wirtschaftsbeziehungen und die europäische China-Politik.
Bundeskanzler Christian Stocker ist am 2. November 2026 zu einem sechstägigen offiziellen Besuch nach China aufgebrochen. Begleitet wird er von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, WKÖ-Vizepräsident Wolfgang Hesoun und Vertretern von rund 50 österreichischen Unternehmen. In Shanghai und Peking stehen wirtschaftliche Kontakte und politische Gespräche auf dem Programm. Für österreichische Betriebe ist die Reise vor allem wegen der zuletzt rückläufigen Warenexporte nach China relevant.
Der Besuch dauert bis 7. November 2026 und erfolgt nach Angaben des chinesischen Außenministeriums auf Einladung von Ministerpräsident Li Qiang. Angekündigt sind Treffen mit Li, Staatspräsident Xi Jinping und Zhao Leji, dem Vorsitzenden des Nationalen Volkskongresses. Die Begegnung mit Xi ist für 6. November 2026 vorgesehen.
Erster Kanzlerbesuch seit 2019
Für Stocker ist es die erste China-Reise als Bundeskanzler. Zugleich besucht erstmals seit 2019 wieder ein österreichischer Regierungschef die Volksrepublik. Damals war der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz in China.
Nach den vor der Reise veröffentlichten Positionen will Österreich konkrete wirtschaftliche Interessen vertreten und zugleich für eine abgestimmte China-Politik der Europäischen Union eintreten. Nach Angaben des Bundeskanzleramts soll auch die Verringerung strategischer Abhängigkeiten thematisiert werden. Damit verbindet die Bundesregierung die Suche nach zusätzlichen Geschäftsmöglichkeiten mit der Frage, wie Österreich innerhalb der gemeinsamen europäischen Linie gegenüber China auftreten kann.
Österreichs Exporte nach China gingen zurück
Die wirtschaftliche Ausgangslage ist anspruchsvoll. Österreich exportierte 2025 laut Statistik Austria Waren im Wert von 5,02 Milliarden Euro nach China. Das entsprach 2,6 Prozent der gesamten österreichischen Warenexporte. Gegenüber 2024 gingen die Ausfuhren um 5,4 Prozent zurück. China lag damit 2025 auf Rang zehn der wichtigsten österreichischen Exportmärkte.
Nach Angaben der österreichischen Seite besteht bis 2030 ein noch ungenutztes Exportpotenzial von 5,4 Milliarden Euro. Diese Zahl beschreibt eine Schätzung möglicher zusätzlicher Ausfuhren und kein bereits vereinbartes Auftragsvolumen. Ob daraus tatsächlich Geschäfte entstehen, hängt unter anderem von der Nachfrage, dem Marktzugang und konkreten Vereinbarungen zwischen den beteiligten Unternehmen und ihren chinesischen Partnern ab.
Die China-Reise überschneidet sich zeitlich mit der neunten China International Import Expo. Die Importmesse findet vom 5. bis 10. November 2026 im National Exhibition and Convention Center in Shanghai statt. Sie bietet eine Plattform für geschäftliche Kontakte zwischen Ausstellern und Fachbesuchern. Ein Besuch der österreichischen Delegation bei der Messe wurde in den vorliegenden Ankündigungen allerdings nicht ausdrücklich bestätigt.
EU verzeichnet hohes Warenhandelsdefizit
Das Handelsungleichgewicht mit China betrifft auf der belegten Datenbasis die Europäische Union insgesamt. Laut Eurostat exportierte die EU 2025 Waren im Wert von 199,6 Milliarden Euro nach China. Gleichzeitig wurden chinesische Waren im Wert von 559,4 Milliarden Euro in die EU eingeführt. Daraus ergab sich ein EU-weites Warenhandelsdefizit von 359,8 Milliarden Euro.
Gegenüber 2024 verstärkte sich diese Entwicklung: Die EU-Ausfuhren nach China sanken 2025 um 6,5 Prozent, während die Einfuhren aus China um 6,4 Prozent zunahmen. Diese Zahlen lassen keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die bilaterale Handelsbilanz Österreichs mit China zu, zeigen aber den wirtschaftspolitischen Rahmen, in dem die Gespräche der Bundesregierung stattfinden.
Nationale Interessen treffen auf gemeinsame EU-Politik
Stockers Reise soll zwei Ziele miteinander verbinden: Österreichische Unternehmen suchen zusätzliche Absatzmöglichkeiten, während die Bundesregierung zugleich eine geschlossene europäische China-Politik befürwortet. Die angekündigten Treffen mit der chinesischen Staatsspitze verleihen dem Besuch politisches Gewicht, garantieren aber noch keine wirtschaftlichen Ergebnisse.
Grundlegende handelspolitische Fragen werden auf Ebene der Europäischen Union behandelt. Österreich kann in bilateralen Gesprächen eigene Anliegen und die Interessen heimischer Unternehmen vorbringen, bleibt bei gemeinsamen Handelsinstrumenten und verbindlichen Vereinbarungen jedoch in die EU-Politik eingebunden.
Ob die Stocker-China-Reise messbare wirtschaftliche Impulse bringt, wird sich daher nicht an der Größe der Delegation allein zeigen. Entscheidend ist, ob aus den Gesprächen in Shanghai und Peking konkrete Verträge, zusätzliche Marktöffnungen oder andere nachvollziehbare Vereinbarungen hervorgehen. Bis solche Ergebnisse vorliegen, bleibt das bezifferte Exportpotenzial eine wirtschaftliche Schätzung.
