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Mehr als 31.000 Teilnehmende haben österreichweit über 1,2 Millionen Sichtungen gemeldet. Die Langzeitdaten liefern Hinweise auf zeitliche Verschiebungen und dokumentieren neue Artnachweise.
Die österreichweite App „Schmetterlinge Österreichs“ besteht seit zehn Jahren. Seit dem Projektstart 2016 meldeten mehr als 31.000 Teilnehmende über 1,2 Millionen Schmetterlingssichtungen. Die gesammelten Daten liefern Hinweise darauf, dass die Flugzeit mancher Tagfalter früher beginnt und länger dauert. Zum Jubiläum am 30. Oktober 2026 in Tulln zieht das Citizen-Science-Projekt Bilanz. Die Beobachtungen sind für die Erforschung der Artenvielfalt in Österreich relevant, erlauben für sich allein aber keine Aussagen über Ursachen oder die Entwicklung einzelner Bestände.
181 Tagfalterarten über die App dokumentiert
Insgesamt wurden über die Schmetterlings-App 181 Tagfalterarten gemeldet. Das entspricht 84 Prozent aller bislang in Österreich nachgewiesenen Tagfalterarten. Für das Beobachtungsjahr 2025 weist die Jahresauswertung des Projekts 137.722 gemeldete Schmetterlinge aus.
Die veröffentlichten Angaben verwenden unterschiedliche Bezugsgrößen: Die Zahl von mehr als 1,2 Millionen bezeichnet die seit 2016 gesammelten Sichtungen, während die Jahresauswertung für 2025 von gemeldeten Schmetterlingen spricht. Beide Werte dokumentieren die Beteiligung am Projekt, sind aber nicht mit standardisiert erhobenen Bestandszahlen gleichzusetzen.
Wie viele Meldungen eingehen, hängt auch davon ab, wann und wo Teilnehmende beobachten. Die App-Daten zeigen daher zunächst, welche Arten zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten gemeldet wurden. Eine höhere Zahl an Meldungen bedeutet nicht automatisch, dass eine Art häufiger geworden ist. Für belastbare Aussagen über Bestandsentwicklungen sind zusätzliche fachliche Untersuchungen erforderlich.
Hinweise auf frühere und längere Flugzeiten
Nach Angaben des wissenschaftlichen Projektleiters Helmut Höttinger weisen die Beobachtungsdaten bei manchen Arten auf einen früheren Beginn und ein späteres Ende der Flugzeit hin. Zudem liefern sie Hinweise auf zusätzliche Generationen einzelner Arten innerhalb eines Jahres.
Damit beschreiben die Daten zeitliche Veränderungen bei den gemeldeten Beobachtungen. Welche Faktoren dafür verantwortlich sind, lässt sich daraus allein nicht ableiten. Für die Beurteilung möglicher Ursachen müssten unter anderem regionale Bedingungen und weitere langfristige Daten berücksichtigt werden.
Der Wert der Sammlung liegt vor allem in ihrer zeitlichen und räumlichen Breite. Werden Beobachtungen über viele Jahre fortgesetzt und fachlich geprüft, können sie Anhaltspunkte dafür geben, ob sich Flugzeiten oder bekannte Verbreitungsgebiete verändern. Einzelne Meldungen bleiben dabei Momentaufnahmen.
Pelargonien-Bläuling in vier Bundesländern nachgewiesen
Zu den auffälligen Ergebnissen zählen Nachweise des Pelargonien-Bläulings. Laut Höttinger wurden mithilfe der App die ersten Nachweise dieser Art in Vorarlberg, Kärnten, Niederösterreich und Wien erbracht.
Der Pelargonien-Bläuling stammt ursprünglich aus Südafrika. Die Art wurde über Zierpflanzenimporte nach Europa eingeschleppt und befindet sich seither in Ausbreitung. Für Kärnten wurde der erste Nachweis über die App im Jahr 2018 verzeichnet. Am 7. Oktober 2020 folgte in Gröfelhof eine weitere Meldung.
Das Beispiel zeigt, dass Veränderungen im beobachteten Artenspektrum unterschiedliche Hintergründe haben können. Neben natürlichen Wanderbewegungen kann auch der Handel mit Pflanzen zur Verbreitung nicht heimischer Arten beitragen. Aus einzelnen Funden lässt sich jedoch nicht ableiten, ob sich eine Art dauerhaft in Österreich etabliert hat. Dafür wären wiederholte bestätigte Nachweise über einen längeren Zeitraum notwendig.
Citizen Science für die neue Rote Liste
Qualitätsgeprüfte Citizen-Science-Beobachtungen sollen auch in die Datengrundlage für die neue Rote Liste der Tagfalter Österreichs einbezogen werden. Nach Angaben des Naturschutzbundes werden dafür rund 215 in Österreich heimische Tagfalterarten untersucht. Die Beobachtungen sollen helfen, Verbreitungskarten zu vervollständigen und den Gefährdungsstatus der Arten neu zu bewerten.
Ein ausdrücklicher Bezug ausschließlich auf Meldungen der App „Schmetterlinge Österreichs“ wird dabei nicht hergestellt. Citizen-Science-Daten bilden neben Fachdaten einen Teil der vorgesehenen Grundlage.
Die rund 215 untersuchten heimischen Arten sind außerdem nicht mit den 181 bislang über die App dokumentierten Arten gleichzusetzen. Die App-Zahl umfasst jene Arten, die von Teilnehmenden gemeldet wurden. Bei der Roten Liste geht es dagegen um eine fachliche Bewertung des Gefährdungsstatus anhand mehrerer Kriterien.
Beobachtungen aus der Bevölkerung können vor allem dort zusätzliche Informationen liefern, wo Verbreitungskarten Lücken aufweisen. Eine einzelne Sichtung sagt allerdings weder etwas über die Größe noch über die Stabilität eines Vorkommens aus. Erst wiederholte Nachweise und ergänzende Untersuchungen ermöglichen eine weitergehende Bewertung.
Langfristige Beobachtung entscheidet über den Erkenntniswert
Das zehnjährige Bestehen des Projekts wird am 30. Oktober 2026 in Tulln in Niederösterreich begangen. Seit 2016 ist eine umfangreiche österreichweite Sammlung von Schmetterlingsbeobachtungen entstanden.
Ihr wissenschaftlicher Nutzen wächst, wenn Meldungen langfristig fortgeführt, fachlich geprüft und mit anderen Erhebungen verbunden werden. Dadurch lässt sich besser unterscheiden, ob auffällige Beobachtungen nur einzelne Jahre betreffen oder auf längerfristige Veränderungen bei Flugzeiten und Verbreitungsgebieten hinweisen.
